Städtebaulicher und landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb zur Entwicklung eines Wohngebietes "Am Gierenbach" in Lindenberg, 2. Preis
    Bild zum Projekt Wohngebiet Am Gierenbach in Lindenberg
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    Auftraggeber:

    Stadt Lindenberg i. Allgäu vertreten durch den 1. Bürgermeister Eric Ballerstedt

    Wettbewerb:

    Nichtoffener städtebaulicher und landschaftsplanerischer Realisierungswettbewerb - 2. Preis

    Projektgröße:

    Bruttobauland ca. 4,6 ha

    Projektbeteiligte:

    in Arbeitsgemeinschaft mit
    Realgrün Landschaftsarchitekten, München

    Beratung zur Verkehrsplanung: PBU Kempten

    Leitlinien der städtebaulichen Konzeption

    Mit dem vorgeschlagenen Konzept für das neue Wohnquartier am Gierenbach in Lindenberg werden folgende übergeordneten Ziele verfolgt: Eine städtebauliche Baukörperfigur mit eigenständiger Lesbarkeit im Verhältnis zur heterogenen Umgebungsbebauung. Eine der Zentrumsnähe entsprechend angemessene bauliche Dichte bei moderater Höhenentwicklung. Eine Verzahnung attraktiver Raumbildungen im Quartier mit der Nachbarschaft. Ein weitestgehend autofreies Wohnquartier. Eine Aktivierung des Gierenbachs als landschaftsarchitektonisch wesentliches Element für das neue Quartier.

     

    Verkehrsführung, Erschließung und ruhender Verkehr

    Die neue Haupterschließungsstraße wird nach dem fixierten Kreisverkehr-Anschluss an der Sedanstraße im weiteren Verlauf südlichen Rand des Wettbewerbsgrundstücks zur Austraße geführt. Einerseits wird dadurch ein maximal großes zusammenhängendes Wohnbaugrundstück ermöglicht. Zusätzlich wird der ohnehin erforderliche Abstand zum Betriebsgelände der VKW erreicht. Der sich ergebende Versatz im Straßenverlauf vermeidet einen allgemeinen Durchgangsverkehr. Vorgeschlagen wird zusätzlich eine verkehrsrechtliche Einordnung als Spielstraße, neben Temporeduzierung und Parkverbot besteht so auch die Möglichkeit, auf den dann nicht erforderlichen Gehweg entlang der Straße zu verzichten. Strassenbegleitende Baumpflanzungen unterstützen den Wohnstraßencharakter.

    An dieser Stelle wird auch ein zweigeschossiges Parkdeck für Besucher angeordnet, über den Höhenversatz im Straßenverlauf können unwirtschaftliche Rampen vermieden werden. Gleichzeitig kann mit dieser Grenzbebauung für das Wohnquartier ein gestalteter Infrastrukturbaustein vor die Rückseiten von Verbrauchermarkt und VKW gestellt werden. Für die drei Mäander sind je eine Tiefgarage mit eigenständigen Zufahrtsadressen zur direkten Erreichbarkeit aller Wohnungen vorgesehen. Um nicht das Zentrum des Quartiers mit allen Zufahrten zu belasten, werden diese auch räumlich "entzerrt" angeordnet. Für die Gebäudegruppen an der Martinstraße wird oberirdisches Parken vorgeschlagen, teils in Carports, in gebäudeintegrierten Garagen oder mittels begrünter Stellplätze für Besucher.

     

    Städtebau

    Für das zentrale Wohnquartier werden drei mäandrierende Baukörpergruppen vorgeschlagen. Deren alternierende Wohnhöfe orientieren sich entweder zum freigelegten Gierenbach oder nach außen. Trotz der hohen baulichen Dichte entstehen dadurch differenzierte Freiräume, die auch die Nachbarschaft in das Gesamtkonzept einbeziehen. Jede Mäanderfigur besteht aus 3-4 geschossigen Baukörpern, die teils durch eingeschossige Überdachungen für Fahrradstellplätze/ Müll etc. verbunden sind. Weil Feuerwehrzufahrten mit ihren Aufstellflächen das landschaftsarchitektonische Gesamtkonzept stark beeinträchtigen würden, werden 4-geschossige Baukörper ausschließlich entlang der neuen Erschließungsstraße vorgesehen.

    Um entlang der Martinstraße ebenfalls eine höhere Dichte und einen gemeinsamen Baukörperduktus zu erreichen, werden etwas kleinere Baukörper über die eingeschossigen Verbindungsbauten ebenfalls zu Gruppen addiert. In der Körnung entsteht ein Bezug zur kleinteiligen Nachbarbebauung. Auch bleiben die Blickbeziehungen nach Süden in Richtung Stadtzentrum erhalten. Entgegen dem Wunsch der Auslobung gelingt das nicht immer unter vollständiger Beibehaltung der Grundstücksgrenzen, für eine höhere Grundstücksausnutzung ist an verschiedenen Stellen ein Flächentausch erforderlich.

    Die obersten Geschosse sollen einen hohen Anteil gut nutzbarer privater Freibereiche erhalten. Deswegen werden ausschließlich begrünte Flachdächer mit gro.zügigen Dachausschnitten vorgesehen. Auch die eingeschossigen Verbindungsbauten könnten als Dachgärten aktiviert werden.

     

    Freiraum und landschaftsarchitektonisches Konzept

    Ziel des vorliegenden Entwurfskonzeptes ist die Versorgung der zukünftigen BewohnerInnen mit differenzierten, vielfältig nutzbaren Freiräumen unter besonderer Berücksichtigung der überörtlichen Einbindung. Zur Erlangung eines kohärenten, kontextuell erfahrbaren Erscheinungsbildes folgt das landschaftsarchitektonische Konzept konsequent der städtebaulichen Grunddisposition. Neben öffentlichen und halböffentlichen Freiräumen werden erdgeschossig heckengefasste Privatgärten angeboten Zur Sicherung einer qualifizierten Freiraumversorgung werden die Dachflächen partiell aktiviert und in das Freiraumkonzept einbezogen.

    Begriffe wie Durchlässigkeit, Transparenz und soziale Kontrolle, Enge und Weite, Licht und Schatten, Flexibilität, Mehrfachnutzbarkeit, Nutzungsoffenheit und individuelle Aneignung, wie auch Ökologie und Nachhaltigkeit, Robustheit und Kostenbewusstsein in Herstellung und Unterhalt bestimmen die weitere freiraumplanerische Herangehensweise.

    Das polygonale Ordnungsprinzip der Entwurfsbausteine erzeugt in den nach außen wie nach innen gewandten Hofbereichen ein ausdruckstarkes identitätsstiftendes Erscheinungsbild. Die Hofmitten werden mit lichten Baumhainen und gemeinschaftlichen Spiel- und Aufenthaltsräumen besetzt, welche sich je nach Nutzungsanforderung zur umgebenden Randbebauung in Einzelbäume oder kleine Baumgruppen auflösen. Sie zonieren und gliedern die Hofräume und bieten Spiel- und Aufenthaltsmöglichkeiten in besonnten und beschatteten Bereichen. Bankelemente laden zum Verweilen ein. Stauden- und Gräserfelder, wie auch Hecken gliedern die umgebenden Spielrasenflächen und Privatgartenzonen ohne hermetisch zu wirken. Eine übergeordnete zurückhaltende Materialverwendung in Entsprechung der Hochbauten unterstützt den Ensemblecharakter der Gesamtanlage. Dem ökologischen Kriterienkatalog folgend werden sämtliche nicht aktivierten Dachflächen extensiv begrünt.

    Der Gierenbach ist neben seiner Öffnung und Aktivierung als zentraler Retentionsraum für die anfallenden Dach- und Oberflächenwasser der umgebenden Gebäude und Erschliessungsflächen auch zentrales freiraumverbindendes Element im neuen Quartier. Sitzstufen laden zum Verweilen und Spielen ein. Die extensive Ausprägung als "Spielwildnis" mit Weidengebüschen und Schilfzonen übernimmt überdies eine wichtige stadtökologische Funktion. Querend zur Grünverbindung entlang des Gierenbaches wird von der Martinstraße kommend eine in die Innenstadt weiterführende Nord- Süd Grünverbindung über das Wettbewerbsgrundstück angeboten.

     

    Wohnformen

    Der städtebauliche Ansatz lässt eine Vielzahl verschiedener möglicher Wohnformen und Typologien zu. Damit kann im Zuge der weiteren Planung und Umsetzung auf Marktentwicklungen reagiert werden. Der jeweils südliche Baukörper der Mäander ist für Reihenhaustypologien prädestiniert. In den teils polygonalen 3 bis 4-geschossigen Baukörpern der Mäander können Geschosswohnungen unterschiedlicher Größe realisiert werden, ebenso aber auch eine Kombination aus Maisonette-Wohnungen im privatem Gartenanteil und darüber Penthaus- Wohnungen. Entlang der Martinstraße reicht das Spektrum von großzügigen Doppelhäusern, kleineren Geschosswohnungsbauten bis hin zu übereinander gestapelten Reihenhäuser: unter Ausnutzung der Topografie kann partiell ein zusätzliches Gartengeschoss erzeugt werden, somit EG mit Gartengeschoss und OG + DG mit großer Dachterrasse, z.B. auf den Carports.

     

    Energieversorgung

    Innerhalb des Parkdecks bietet sich Integration eines Blockheizkraftwerks an. Durch die zentrale Lage kann eine Versorgung beispielsweise mit Holzpellets gut ermöglicht werden.