Wohnbebauung "Jakobwiese Süd-West" in Kempten. Entwicklung eines Wohnquartiers auf dem letzten freien Grundstück der Jakobwiese. Neubau von 98 Wohnungen in acht Stadthäusern und zugehöriger Tiefgarage.
    Bild zum Projekt Wohnbebauung Jakobwiese Süd-West in Kempten
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    Adresse:

    Alfred-Weitnauer-Straße
    87439 Kempten (Allgäu)

    Auftraggeber:

    die Sozialbau GmbH, Kempten, vertreten durch Geschäftsführer Herrn Herbert Singer

    Beauftragte Leistung:

    Städtebaulicher Entwurf
    Gebäudeplanung LPH 1-4 HOAI
    Teilleistungen aus den LPH 5-6
    Künstlerische Oberleitung

    Projektzeiten:

    Planungsbeginn Anfang 2014, Baueingabe-Planung 02/2015
    Bauzeit: 07/2015 - 2018

    Projektgröße:

    Grundstück 1,03 ha
    98 Wohnung in 8 Mehrfamilienhäusern
    Tiefgarage mit 110 Stellplätzen

    Energiestandard:

    Energieeffizienzhaus 70

    Projektbeteiligte:

    Entwässerungsplanung, Werkplanung und Bauleitung LPH 5-9 und Wärmeschutz/Energiebilanzierung:
    die Sozialbau GmbH, Kempten

    Landschaftsarchitektur:
    Keller Damm Roser, München

    Tragwerksplanung:
    Stefan Lämmle, Ingenieurbüro für Baustatik, Wiggensbach

    HLS-Planung:
    Eberhardt Planungen, Johannes Eberhardt, Isny

    Elektro-Planung:
    3E-plan, Heinz Erhart, Sulzberg

    Visualisierung:
    killius ernst architekten, München

    Fotografie:
    Rainer Retzlaff, Niedersonthofen

    Situation

    Im Westen von Kempten, am Ostufer der Rottach, entstand ab 1995 der neue Stadtteil „Jakobwiese“ in ca. 1,5 km Entfernung zur Altstadt. Grundlage der Bebauung war zunächst die städtebauliche Planung der Architekten Fink + Jocher, München. Auf einem Geländesporn von 8 ha sollte eine dichte Wohnbebauung entstehen, die es erlaubt, landschaftlich wertvolle Ufer- und Hangbereiche freizuhalten.

    Am Westrand des Planungsgebietes waren fünf Wohnhöfe vorgesehen, ein erster Wohnhof wurde 1995-1997 realisiert. Der Stadtteil ist nach mehrfachen städtebaulichen Änderungen nunmehr vollständig realisiert. Auf dem letzten freien Grundstück der „Jakobwiese“ im Süd-Westen, ca. 1 ha groß, hat das kommunale Wohnungsunternehmen Sozialbau im Jahr 2018 98 Wohnungen in acht Stadthäusern mit zugehöriger Tiefgarage erstellt.

    Die über einen längeren Zeitraum fehlende Nachfrage nach Wohnungen in dieser dichten Bauform machte deutlich, dass sich der Bautyp des Hofhauses an dieser Stelle im Stadtgebiet nicht realisieren lässt. Nördlich des bestehenden Wohnhofs wurden die Baufelder bereits als aufgelöste Einzelbaukörper errichtet. Südlich des bestehenden Wohnhofs sollten Gebäude für familiengerechte Miet- und Eigentumswohnungen entstehen, deren städtebauliche Prägung und Baukörper-Ausformung zu einer gemeinsamen Identität im Quartier führen.

     

    Grundstück

    Der Standort ist einerseits geprägt von den umgebenden Siedlungsstrukturen mit Geschosswohnungen im Norden und Reihen- bzw. verdichteter Einfamilienhausbebauung im Osten. Im Süden befinden sich verschiedene Sport- und Freizeiteinrichtungen, nach Westen öffnet sich das Grundstück zum Naturraum der Rottach mit Blick auf den Kemptener Hausberg „Mariaberg“.

     

    Städtebau

    Wesentlicher Entwurfsansatz war eine Auflösung der bisher vorgesehenen geschlossenen, riegelförmigen Wohnhöfe zugunsten einer aufgelockerten, sich mit dem angrenzenden Grünraum verzahnenden Einzelkörperbebauung. Entlang der Alfred-Weitnauer-Straße wurde die „Riegelwirkung“ durch Auflösung in vier Gebäude aufgelockert. Im westlichen Planungsbereich wurde durch Auflösung der Hofhäuser eine Öffnung zum wertvollen Freiraum erreicht.

    Je Baufeld wurden vier Baukörper realisiert, mit deutlich geringerer Dichte als nach geltendem Bebauungsplan zulässig, zugunsten verbesserter Freiraumqualitäten, Belichtung und Blickbeziehungen der Wohnungen. Je vier Einzelbaukörper umfassen einen Innenbereich mit aufgeweiteter Gemeinschaftsfläche. Das jeweils südwestliche Gebäude dieser Gebäudegruppe setzt mit einem fünften Geschoss eine Höhenakzentuierung zu den ansonsten viergeschossigen Gebäuden. Entlang der Stadtbadstraße entsteht dadurch eine bewusste Höhenstaffelung mit Einbindung des sechsgeschossigen Nachbargebäudes Aybühlweg 81.

    Entlang des Aybühlwegs bewirkt der Wechsel zwischen vier und fünf Geschossen eine rhythmisierte Gebäudeabfolge, entlang der Alfred-Weitnauer-Straße wird diese Rhythmisierung durch den Wechsel in der Gebäudestellung erreicht.

    Jedes Gebäude erhielt auf einer Fassadenseite einen markanten Gebäude-Knick. Bei den Häusern 4 und 5 konnten dadurch gleichbleibende Abstände zur Stadtbadstraße eingehalten werden, bei den Häusern 2 und 7 entstand eine größere Tiefe und Öffnung zum westlichen Freiraum, bei den Häusern 1 und 3 eine bessere Orientierung nach Westen und bei den Häusern 6 und 8 eine bessere Orientierung nach Süden. Der Wechsel zwischen engeren (10-14m) und weiteren (>20m) Gebäudeabständen bewirkte neben der Verzahnung mit dem umgebenden Freiraum auch im Inneren des neuen Quartiers eine abwechslungsreiche Raumfolge.

     

    Baukörper und Erschließung

    Die Gebäudegestaltung wird durch eine polare Fassadengestaltung charakterisiert: Für die drei der Balkonseite abgewandten Fassaden ist eine ruhige Putzfassade entstanden mit Lochfenstern unterschiedlicher Größe je nach Raumerfordernis und einem überdeckten Eingangsbereich. Die Süd- bzw. Westfassaden (Häuser 1 und 3) wurden dem gegenüber stark strukturierend gestaltet, mit hohem Fensteranteil, bodentiefen Fenstern, Balkonen mit Glasbrüstungen sowie dezent farbigen Fassadentafeln. So wird die Verbindung der Wohnungen mit dem Freiraum signalisiert.

    Die Freisitze der Wohnungen treten bei einer Tiefe von über 2m ca. 60cm vor die Fassadenlinie, dadurch ergeben sich beide Freisitz-Qualitäten: Loggia und Balkon! Alle Gebäude erhielten ein Flachdach mit Gefälle nach außen zum Dachrand mit außenliegender Entwässerung. Der obere Gebäudeabschluss wurde durch einen ca. 60cm tiefen Dachüberstand gebildet.

    Ein großzügiges, helles Treppenhaus mit Aufzug erschließt auf jeder Geschossebene bis zu drei Wohnungen. Es wurde ein variabler Mix aus 2-, 3-, 4- und 5-Zimmer-Wohnungen gebaut.

    Die gemeinsame Tiefgarage wird über eine breite Zufahrt am Aybühlweg erschlossen. Jedes Haus ist dabei direkt an diese Tiefgarage angebunden. Zusätzliche öffentliche Besucherstellplätze entstanden entlang der Alfred-Weitnauer-Straße und entlang der Stadtbadstraße.

     

    Landschaftsarchitektonisches Konzept

    Die Freianlagen sind durch die Ausbildung eines polygonalen Systems aus Privatgärten, Pflanzungen, Wiesenflächen und zwei sich zwischen den Gebäuden aufspannenden Hofräumen für gemeinschaftliche Nutzungen charakterisiert.

    Die hauptsächlich nach Süden orientierten Privatgärten sind in Nord-Süd-Richtung durch geschnittene Hecken strukturiert und gegenüber dem gemeinschaftlichen Bereich durch Pflanzflächen gefasst. Die Pflanzungen mit weißem und lila-blauen Blühaspekten aus Hortensien, Bartblumen, Anemonen und Maiblumenstrauch ermöglichen es auf eine gebaute Einfriedung der Gärten zu verzichten. Der nördliche Hofraum ist als Platzfläche mit wassergebundener Wegedecke und Sitzbänken zu einem ruhigen Aufenthaltsraum gestaltet, im südlichen Hof wird ein Spielplatz für Kinder bis 8 Jahren mit einer hölzernen Kletterstruktur und Wipptieren angeboten.

    Das nach Westen um ca. drei Meter fallende Gelände wird durch eine sanfte Böschung im Osten, ergänzt durch eine gebaute Kante, abgefangen. Das sich polygonal verzweigende Wegenetz kann außerdem als Feuerwehraustellfläche genutzt werden und wird durch Rasenpflaster / Rasenwaben ergänzt, um die Versiegelung möglichst gering zu halten. In der Mitte des Grundstückes verbindet ein Weg die Alfred-Weitnauer-Straße mit dem Aybühlweg an dessen Südende die eingehauste und begrünte Tiefgaragenzufahrt angeordnet ist. Die Ausgleichsfläche für die Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft ist als blühende Magerrasenfläche ausgebildet.

    In unmittelbarer Nähe zu den Eingangsbereichen sind oberirdische Fahrradstellplätze angeordnet, weißblühende Großsträucher wie die kanadische Felsenbirne gliedern die Zugangsbereiche. Das Grundstück wird durch Pflanzungen von Großbäumen wie Feldahorn, Vogelbeere und Wildbirne gefasst. Innerhalb der Höfe bilden gebietstypische Apfelsorten lockere Baumgruppen.