Städtebaulicher Entwurf für die Wohnbebauung "Funkenwiese" in Kempten, Mehrfachbeauftragung, 2. Rang
    Bild zum Projekt Wohnbebauung Funkenwiese in Kempten
    Bild zum Projekt Wohnbebauung Funkenwiese in Kempten
    Bild zum Projekt Wohnbebauung Funkenwiese in Kempten
    Bild zum Projekt Wohnbebauung Funkenwiese in Kempten
    Bild zum Projekt Wohnbebauung Funkenwiese in Kempten

    Auftraggeber:

    Sozialbau Kempten
    Wohnungs- und Städtebau GmbH
    Allgäuer Straße 1
    87435 Kempten

    Wettbewerb:

    Mehrfachbeauftragung mit 6 Teilnehmern, 2. Rang

    Beauftragte Leistung:

    Städtebaulicher Entwurf

    Projektbeteiligte:

    Landschaftsarchitektur:
    Felix Huber, Kempten

    Leitlinien der städtebaulichen Konzeption

    Mit dem vorgeschlagenen Konzept für das neue Wohnquartier Funkenwiese in Kempten werden folgende übergeordneten Ziele verfolgt: Eine ordnende städtebauliche Baukörperfigur mit ruhigen, klaren Raumkanten unter Einbindung der heterogenen Umgebungsbebauung. Eine angemessene bauliche Dichte bei moderater Höhenentwicklung. Eine Verzahnung attraktiver Raumbildungen im Quartier mit der Nachbarschaft. Eine Aktivierung des vorhandenen Biotops als landschaftsarchitektonisch wesentliches Element für das neue Quartier wie auch für die Nachbarschaft. 

    Leitlinien für den Wohnungsbau

    Um für die künftigen Bewohner ein hohes Maß an Flexibilität und Möglichkeiten der persönlichen Aneignung bereitzustellen, ist eine robuste Grundstruktur erforderlich: Weitestmögliche Trennung der Tragwerk-Gebäudestruktur vom Wohnungsausbau und klare, einfach organisierte Baukörper.

    Städtebau

    Für das neue Wohnquartier wird eine Komposition aus 3-4-geschossigen linearen Baukörpern und zwei 6-7 geschossen punktförmigen Baukörpern vorgeschlagen. Die Setzung der neuen Volumen erfolgt in einer präzisen, orthogonalen Ordnung.

    Die beiden neuen Hochpunkte binden die beiden östlichen noch etwas höheren Bestandsgebäude in das Konzept mit ein. Die östliche und die nördliche Raumkante der neuen Gebäude erzeugen im Zusammenspiel mit der vorhandenen Nachbarbebauung einen städtebaulichen Rahmen für das aktivierte Biotop als übergeordneter räumlicher Mittelpunkt.

    Die neuen linearen Baukörper wechseln zwischen Süd- und West-Orientierung. Durch Dimensionierung und Anordnung der linearen Baukörper werden auch die vorhandenen Geschosswohnungsbau-Strukturen in das städtebauliche Konzept einbezogen. Zur Leutkircher Straße im Westen hin wird die Bebauungshöhe auf partiell drei Geschosse begrenzt, um dort einen maßvollen Übergang zur kleinteiligen Bestandsbebauung zu schaffen. Die Ordnung der Baukörper erzeugt in Nord-Süd Richtung eine mäandrierende spannungsreiche Freiraum-Abfolge für die Bewohner. Vom Biotop im Osten bis zur Leutkircher Straße im Westen ist das neue Quartier räumlich durchlässig konzipiert. Hinsichtlich Körnung und Struktur ermöglicht das Bebauungskonzept eine gute Einfügung in die Umgebungsbebauung und die Freiflächen.

    Freiraumkonzept

    Ziel des vorliegenden Entwurfskonzeptes ist die Versorgung der zukünftigen Bewohner mit differenzierten, vielfältig nutzbaren Freiräumen unter besonderer Berücksichtigung der Einbindung in die umgebenden städtebaulichen und landschaftlichen Strukturen. Das Biotop soll als neuer Freiraum-Schwerpunkt für das übergeordnete Gesamtquartier gemäß dem ökologischen Gutachten gestaltet und nach Norden hin großzügig vergrößert werden: Die vorhandene Verrohrung wird aufgelöst, das Regenwasser der neuen Bebauung wird an mehreren Stellen eingeleitet. Hierdurch entstehen neue, kleinteilige Habitate. Die bestehenden Alleebäume werden erhalten und mit Säulenpappeln ergänzt. Diese bilden eine Verzahnung zwischen der neuen Bebauung und dem Biotop, und weisen von weitem sichtbar auf einen humiden Standort hin. Das weitere landschaftsarchitektonische Konzept folgt konsequent der städtebaulichen Grunddisposition: Die innere Erschließung des Quartiers erfolgt über ein orthogonales, verzweigtes Wegenetz, in das partiell auch die erforderlichen Feuerwehrzufahrten einbeschrieben sind. Punktuell verbindet sich das Wegenetz mit dem Biotop, ohne dies wirklich zu betreten. Ein neuer Steg in der Verlängerung des Wegen in Ost-West-Richtung dient der Verbindung durch das Quartier.

    Die Erschließung der Gebäude befindet sich auf der Nord- oder Ostseite. Die privaten Freiräume sind jeweils Süd-West exponiert. Zueinander sind die Privatgärten mit Buchenhecken blickdicht getrennt, jedoch zu den halböffentlichen und öffentlichen Bereichen hin lediglich mit Obstspalieren begrenzt. Dies soll eine zu starke Hermetik im Quartier vermeiden. Zwei große Flächen („Gemeinschaftswiese“ und „Liegewiese“) mit Baumsolitären haben nahezu öffentlichen Charakter und bieten sich zur flexiblen Nutzung als multifunktionale Spielwiese oder auch für Quartierfeste an. In Nord-Süd-Richtung dazwischengeschaltet sind halböffentliche Nachbarschafts-Freiräume. Sie dienen der Begegnung können jeweils mit unterschiedlichen Schwerpunkten mit variabler Nutzung - so z.B. Kleinkinderspiel - versehen werden. Für diese Bereiche sind wassergebundene Wegedecken  sowie Bepflanzungen mit Stauden und Hochbeeten vorgesehen. Dem ökologischen Kriterienkatalog folgend werden sämtliche nicht aktivierten Dachflächen extensiv begrünt.  

    Erschließung und ruhender Verkehr

    Der Autoverkehr wird komplett aus dem Freiraum zwischen den Häusern ferngehalten. Es wird ein dezentrales Erschließungskonzept verfolgt: Von Zufahrten an der Leutkircher Straße aus werden drei eigenständige Tiefgaragen erreicht, die alle Wohnungen barrierefrei erschließen und gleichzeitig sinnvolle Bauabschnitte aufzeigen. Die erforderlichen Besucherstellplätze werden an vier Parkplätzen entlang der Straße angeordnet.

    Die nötigen Fahrradstellplätze sind direkt bei den Hauseingängen, in oberirdischen Abstellräumen im Bereich der TG-Abfahrten und in der Tiefgarage untergebracht. Die Stellplätze für E-Mobilität befinden sich in den Tiefgaragen. 

    Baukörper / Typologien

    Die 6-7-geschossigen Punkthäuser sind als 2-3-Spänner konzipiert. Je nach Erfordernis können in den obersten Geschossen auch geschossgroße Sondertypologien entstehen. Zur plastischen Baukörper-Gliederung werden je Wohnung ein oder mehrere Loggia-Balkonkombinationen vorgeschlagen. Dabei wechseln die auskragenden Balkone je Geschoss die Ausrichtung, oder sie entfallen partiell. Dadurch wird den Baukörpern die Anmutung einer simplen Stapelung genommen und es entsteht eine differenzierte Baukörperstruktur.

    Die 3-4-geschossigen linearen Gebäude sind je nach Baukörperlänge als 3-4-Spänner vorgesehen. Der konsequenten Süd- und Westausrichtung folgend wird auf diesen Seiten eine loggientiefe Raumstruktur konzipiert, die geschossweise variabel als Loggia oder als Wohnraumerweiterung erstellt werden kann. Dem konstruktiven Mehraufwand stehen eine hohe Zahl individueller Grundrissmöglichkeiten und ein variables Fassadenspiel gegenüber.