Schaffung und Modernisierung von bezahlbarem Wohnraum in Füssen Ortsteil Ziegelwies, Nichtoffener interdisziplinärer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil und vorgeschaltetem Auswahl- / Losverfahren
    Bild zum Projekt Wettbewerb Wohnungsbau "Ziegelwies" Füssen
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    Auftraggeber:

    Stadt Füssen

    Wettbewerb:

    Nichtoffener interdisziplinärer Realisierungswettbewerb mit Ideenteil und vorgeschaltetem Auswahl- / Losverfahren

    Projektbeteiligte:

    Landschaftsarchitekt:
    Marita Zinth Landschaftsarchitektur, Immenstadt

    Mitwirkung Statik und Brandschutz:
    Planungsgesellschaft Dittrich MBH, München

    Mitwirkung Energieberatung:
    Transsolar Energietechnik GmbH, München

    Städtebau

    Ziel des Entwurfs ist es, das bestehende Ziegelwies Areal unter Erhalt der bestehenden Qualitäten des ortsprägenden Bestandes verträglich nachzuverdichten. Der Maßstab der ergänzenden Bebauung soll die vorhandene Kleinteiligkeit des Areals im gegebenen Kontext der nachbarlichen Bebauung erhalten.

    Die Intervention fügt drei Baukörper in die vorhandene Struktur ein, die sich im Versatz mit den Giebelseiten der Bestandsgebäude nach Osten und nach Westen mit der Bestandstruktur verweben. Bezüge der bestehenden Gebäudekubaturen setzen sich in der neuen Bebauung fort und erzeugen so ein abgeschlossenes städtebauliches Ensemble aus Neu und Alt. Das in Nord-Süd Richtung spannende Bestandgebäude wird hierbei durch die Giebelseite eines effizienteren Neubaus ersetzt. Die Belichtungsnachteile im Bestand können durch diesen Eingriff eliminiert und die Belichtungssituation auf dem Grundstück gesamtheitlich verbessert werden.

    Durch die polygonale Ausformung der Neubaukörper gleichen diese sich in Größe und Maßstab den Bestandsgebäuden an. Hierbei entstehen vielfältige Außenraumbezüge, die in Orientierung und Benutzbarkeit begünstigte Belichtungsverhältnisse von Osten, Süden und Westen erhalten. Die neuen Baukörper sind in ihrer materiellen Ausprägung zurückhaltend. Sie erhalten Putzfassaden, Balkone und Flachdächer, welche sich den charakteristischen Satteldächern der bestehenden Wohngebäude unterordnen. Der ortsprägende Charakter der historischen Wohngebäude wird hierdurch in ihrer Wirkung zusätzlich betont. Die nutzbaren, begrünten Flachdächer kompensieren die im Erdgeschoss besetzten Flächen.

    Der zentrale Baukörper wird durch einen im Norden gelegenen Laubengang flächeneffizient erschlossen. Gleichzeitig bietet die Erschließung interessante Außenraumbezüge und wird zum Ort des sozialen Austausches. Der nördliche Baukörper wird als Mehrbund mit Zugang von der zentralen Quartiersmitte erschlossen. Die Aufenthaltsqualität des Außenraums in Verbindung mit dem Zugang machen die zentrale Mitte zu einem Ort der Begegnung. Der südlich gelegene neue Ergänzungsbau bindet das Bestandgebäude mit barrierefreier Erschließung ein. Die Erschließung wird auch hier sinngemäß verbindendes Element sozialer Begegnung.

     

    Verkehr

    Eine eingeschossige Quartiersgarage nimmt die Stellplätze des gesamten Individualverkehrs der nachverdichteten Bebauung auf. Die Wohnungen können von der Quartiersgarage direkt über den Aufzug angefahren werden. Die Garage nimmt ferner Abstellraum der Haushalte sowie Wasch- und Trockenräume auf. Die Müllaufbewahrung erfolgt in der Tiefgarage den Hausaufgängen zugeordnet.

    Die Zu- und Abfahrten der Großgarage sind im Verlauf der Ziegelwiesstraße im Norden, so nah wie möglich an der Zufahrt über die Tiroler Straße gelegen. Diese Lage erreicht, dass das durch die Nachverdichtung vergrößerte Verkehrsvolumen zu- und abfahren kann, ohne in den Ringschluss der Ziegelwiesstraße einzudringen.

    Das Angebot an Fahrradstellplätzen wird sowohl oberirdisch als auch unterirdisch komfortabel ausgestattet und macht das Fahrrad vor dem Auto zum Verkehrsmittel erster Wahl. Dem Fuß- und Radverkehr soll im Quartier Priorität gegeben werden, weil er entscheidend zum Gelingen eines sozialen Miteinanders und der Klima-Strategie beträgt.

     

    Freiraumkonzept

    Der Freiraum ist in durchgängige Funktionsbänder gegliedert, welche in Ost-West Richtung verlaufen. Die parallel den Gebäuden folgenden Bänder unterscheiden Erschließungszonen, private Freiflächen und gemeinschaftlich genutzte Freiflächen. Die bandartige Struktur verläuft bis in den Straßenraum hinein und erzeugt den orts- uns kontexttypischen Charakter einer offenen Bauweise, in die sie sich ergänzend einfügt.

    Die Erschließung erfolgt über sich immer wieder zu Platzflächen aufweitende Wege auf den Nordseiten der Gebäude. Auf der Südseite schließen bei den Neubauten direkt private Außenräume an. Die Bewohner der Bestandsgebäude erhalten, eingebettet in das Bandthema der Freiflächen, `Gartenzimmer`, die der Hausgemeinschaft vor Einblicken geschützte Außenflächen bieten. Deren Einfriedung erfolgt über durchlässige, lockere Strauch- und Heckenpflanzungen, die einerseits Privatheit ermöglichen, sowie durch ihren Anschluss an die gemeinschaftlich genutzten Grünflächen auch die Möglichkeit der Aneignung eines erweiterten Außenraums bieten. Das gemeinschaftlich genutzte Gartenzimmer kann so beides leisten: je nach Beanspruchung wird es zur Oase der Ruhe, oder aber Ort des Sommerfests mit Barbecue und Ballspiel.

    Im Zentrum des Quartiers, am Kreuzungspunkt zwischen Ost-West und dem in Nord-Süd Richtung verlaufenden Quartiersweg, befindet sich eine zentrale Gemeinschaftsfläche. Sie ist als Alltagstreffpunkt mit angegliedertem Kleinkinderspielplatz, aber auch großzügig für gemeinsame Feste und Veranstaltungen nutzbar und findet ihr Pendant in dem ihr angegliederten Gemeinschaftsraum der Quartiersbewohner.

    Fahrräder werden in überdachten, in die Freiflächen integrierten Fahrradboxen, sicher und komfortabel untergebracht. Die Bereitstellung von Besucherparkplätzen erfolgt in Parktaschen in orthogonaler Aufstellung zum Straßenraum.

    Beläge sind grundsätzlich durchlässig ausgeführt und leisten damit einen Beitrag zur Retention von Oberflächenwasser, sowie der Durchgrünung des Quartiers.

    Die Nutzung der Dachterrassen der neuen Gebäude erlauben es, die Sonne im Tagesverlauf länger zu genießen und gleichen die Verschattungssituation in gegebener topografischer Lage im jahreszeitlichen Verlauf aus.

    Die quartierserschließende Ziegelwiesstraße wird durch die Gestaltung als shared-space verlangsamt und aufgewertet. Alle Teilnehmer sind gleichberechtigt und es wird natürlicherweise Rücksicht auf die Schwächsten zu Fuß genommen. Mikroquartiersplätze gliedern den Straßenraum, aufgemalte Spielfelder laden zur geteilten Nutzung der Verkehrsfläche ein.

     

    Grundrisskonzept Wohnen

    Die Ausrichtung der Häuser erlaubt eine Orientierung der Wohnräume nach Süden. Die Wohnungen erhalten eine Kombination aus Loggien und Balkonen und zusätzlich gemeinschaftlich genutzte Dachterrassen. Der angebotene Wohnungsmix entspricht den Anforderungen des Auslobers und deckt den aktuellen Bedarf an kleinteiligen Wohnungen für 2 bis 3 Personen-Haushalte ab. Der Treppenhauskern und Wohnungsvorräume sind auf der Norseite liegend angeordnet, um maximale Belichtung der Wohnräume zu gewährleisten.

    Innerhalb der Geschossfläche können 1-, 2- und 3-Zimmerwohnungenflexibel miteinander kombiniert werden, sollte sich die Bedarfssituation ändern. Die Lebensdauer der Anlage verlängert sich damit nachhaltig auf Nachnutzung durch nachkommende Generationen.

     

    Konstruktion und Materialität

    Das Gebäude ist als Mischbauweise konzipiert. Untergeschoss und Treppenhäuser werden in Massivbauweise in Stahlbeton erstellt. Ergänzend bilden die tragenden Wohnungstrennwände das statische Rückgrat für den Holzbau.

    Mit einer leistungsfähigen Holz-Beton-Verbunddecke können große Spannweiten in der Schottenstruktur umgesetzt werden, die eine flexible Raumgestaltung der Wohnungen ermöglichen. Tragende Außenwände in Holzrahmenbauweise erreichen hohe Dämmwerte bei vergleichbar geringerer Wandstärke. Der hohe Vorfertigungsgrad der Holzrahmenbauelemente ermöglicht kürzere Bauzeiten.
    Stützenfreie Balkone und Laubengänge werden über Isokörbe in der Betonschicht der Holz-Beton-Verbunddecke als schlanke Kragkonstruktion thermisch getrennt verankert. Wohnungstrennwände werden als Halbzeug aus schallschutzgünstigen Stahlbeton-Doppelwänden erstellt und nutzen deren hohe Vorfertigungsgrade. Wohnungstrennwände im Erdgeschoss sind zur Lastabtragung über Stützen in der Tiefgarage als wandartige Träger ausgebildet. Die Decke über UG ist punktgestützt. Die Gründung erfolgt unter Berücksichtigung der örtlichen Bodenverhältnisse und Grundwasserstände über eine Bodenplatte mit Verstärkungen und Einzelfundamenten.

     

    Energieversorgung

    Zur Wärmeversorgung wird ein lokales Nahwärmenetz aufgebaut. Über ein Holzvergaser BHKW wird der nachwachsende Rohstoff Holz, welcher in der lokalen Holzwirtschaft anfällt, in Form von Hackschnitzeln genutzt, um die Wärmegrundlastabdeckung und Warmwasser zu erzeugen und um zum anderen regenerativen Strom zu erzeugen. Ein Hackschnitzelkessel deckt im Winter die Wärme-Spitzenlasten.

    Zusätzlich erzeugen Photovoltaikanlagen auf den Gebäudedächern lokal erneuerbaren Strom. Trotz der im Winter durch den südlich gelegenen Schwarzenberg reduzierten Einstrahlung, ist der Ertrag immer noch ausreichend, um in Kombination mit dem BHKW den Jährliche Strombedarf bilanziell zu decken und einen wirtschaftlichen Betrieb der Photovoltaikanlage langfristig zu gewährleisten. Zur Erhöhung des Autarkiegrades werden Batteriespeicher von Elektrofahrzeugen in das ganzheitliche Energiekonzept eingebunden.

     

    Nachhaltigkeit und Klima

    Die Entwicklung hin zu einer CO2 neutralen Wohnanlage beruht auf 4 Säulen:

    1. Optimierung des Städtebaus für Tageslicht, Solarenergie und Außenkomfort, 2. Minimierung des Nutzenergiebedarfs, 3. Maximierung der Energieeffizienz von technischen Systemen, 4. Deckung des restlichen Energiebedarfs mit den erneuerbaren Energien am Standort.

    Mit diesem synergetischen und integralen Konzeptansatz und der optimierten Gebäude- und Dachgestaltung, entsteht nicht nur ein CO2-negatives Quartier, sondern auch ein grünes und lebenswertes Wohnareal.

    Die Gebäude werden in Holz oder Holz-Hybrid-Bauweise erstellt und sorgen so für einen minimalen CO2-Fußabdruck in der Gebäudeherstellung. Eine positive Beeinflussung des sommerlichen Mikroklimas wird erreicht durch eine offene Struktur nach Westen hin, um für eine gute Durchlüftung zu sorgen. In Kombination mit einer intensiven Begrünung der Freiflächen und teilweise Fassadenbegrünung kann im Sommer eine deutliche Verbesserung des Mikroklimas erreicht werden.