Neubau einer Wohnanlage Floßergasse Füssen
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Wohnanlage Floßergasse Füssen
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Wohnanlage Floßergasse Füssen
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Wohnanlage Floßergasse Füssen
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Wohnanlage Floßergasse Füssen
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Wohnanlage Floßergasse Füssen
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Wohnanlage Floßergasse Füssen
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Wohnanlage Floßergasse Füssen

    Auftraggeber:

    Stadt Füssen

    Wettbewerb:

    Realisierungswettbewerb

    Projektbeteiligte:

    Landschaftsarchitekt:
    Schegk Landschaftsarchitekten BDLA und Stadtplaner

    STÄDTEBAU I ERSCHLIEßUNG

    Im denkmalgeschützten Ensemble der Altstadt Füssen entsteht am Fuße des Franziskanerklosters ein neuer Baustein, der gefördertes Wohnen in zentraler Innenstadtlage für junge Familien möglich macht.

    Das Konzept sieht für das besondere Grundstück am Hangfuß eine städtebauliche Setzung im Maßstab der in Spital- und Floßergasse vorherrschenden Baustrukturen vor und gliedert sich durch die gewählte Gebäudeproportion und Ausrichtung mit zwei Quergiebeln in die Umgebung ein. Der Baukörper rückt vom schützenswerten Hangbereich ab, entwickelt sich auf dem vorgegebenen Baufeld und nutzt so zu jeder Jahreszeit optimal das Tageslicht. Über zwei Gebäudeversprünge nach Nord-Westen hin formuliert das abgestaffelte Volumen im Zusammenspiel von Hang und Bebauung eine großzügige Hofsituation aus.

    Die Wohnungen in den Obergeschossen nutzen die entstehende räumliche Tiefe und orientieren ihre Aufenthaltsräume mit vorgelagerten Loggien in diesen gefassten mit Bäumen bestandenen Freiraum, während nach Süd-Westen zur steilen Topografie hin Schlaf- und Nebenräume entwickelt werden. Der erdgeschossigen Wohnung ist ein privater Freibereich im Osten unmittelbar vorgelagert. Die Erdgeschosszone im vorderen Bereich wird bewusst geöffnet, um diese als Begegnungsfläche für Hausgemeinschaft und Nachbarn zu beleben. Durch den ‚eingezogenen‘ Gebäudezugang entsteht eine von der öffentlichen, städtisch belebten Durchwegung aus geschützte Übergangszone mit witterungsgeschützten Fahrradabstellplätzen, einem direkten Zugang zum Wertstoffsammel- und Müllraum, sowie dem angrenzenden Kinderwagenabstellraum. Die Nebenraumzone mit ebenerdig zugänglichen Kellerabteilen und Technikräumen findet ihren Platz im rückwärtigen, durch die Topografie nicht belichtbaren Gebäudeteil.

    FREIRAUMKONZEPT

    Mit dem von Neubau und Nachbargebäude gebildeten Hof und dem talschlussartig nach drei Seiten ansteigenden Hang, entsteht ein Geborgenheit ausstrahlender, innerstädtischer Stadt- und Landschaftsraum besonderer Qualität. Der öffentliche, kleinstädtisch ruhige Verkehrsraum der Floßergasse oberhalb des Lechs geht nahtlos in den halböffentlichen Hofraum nördlich des Neubaus über, der gleichzeitig den Auftakt zum Aufstieg zum oben liegenden Franziskanerplatz bildet. Sitzgelegenheiten unter dem neuen Hofbaum im Entree, lassen die gleichzeitige Privatheit des Hofraumes erkennen. Die hindernislos befestigten Flächen sind der ideale Bewegungs- und Spielraum für die heranwachsenden Kinder. Die Kleineren finden ein weiteres, die Topographie nutzendes Spielangebot im unteren Hangbereich. Mit der Rampen- und Treppenanlage entsteht neben der reinen Wegefunktion ein Angebot zu Bewegung und zugleich Aufenthalt und Rasten. Wie ein Rückgrat ist daran die behutsame Gestaltung des süd-west-orientierten Teils des Hanges mit niedrig bleibenden Terrassierungen aus trocken aufgemauerten Natursteinen angehängt. Im Zusammenhang mit der Bepflanzung mit einzelnen Obstgehölzen, niederen Heckenelementen aus blühenden Kleinsträuchern und einer standortgerechten Kraut- und Grasflur entsteht mitten in der Altstadt ein sehr diverser, hochwertiger Lebensraum für Flora und Fauna. Gleichzeitig lebt die frühere, in Fotos dokumentierte Gestaltung des Hanges wieder auf. Der nach Norden gerichtete, schattige und steil abfallende Teil des Hanges bleibt dagegen unzugänglich und weitgehend naturbelassen.

    Bieten sich schon von den Ruheterrassen im Hang Ausblicke in und über die Stadt, so erfährt dies zum Ende des Weges an der Stelle des sogenannten ‚Quaglio-Blickes‘ am Franziskanerplatz seinen Höhepunkt, der aus szenografischen, aber auch funktionalen Gründen subtil herausgearbeitet wird.

     

    WOHNUNGSMIX UND ORIENTIERUNG

    Durch eine für die Umgebung verträgliche Ausnutzung des Baufelds ko?nnen auf dem ausgelobten Grundstück 7 neue geförderte Wohnungen entstehen.
    Die vorgeschlagene zentrale Anordnung des Treppenhauses macht eine kompakte und somit wirtschaftliche Erschließung möglich. Neben großzügigen 4- und 5-Zimmer-Wohnungen für Familien ergänzen 2-Zimmer-Wohnungen das Angebot für Paare oder Berufseinsteiger. ?Die zentrale Erschließung lässt zudem die Möglichkeit offen, einen höheren Anteil kleinerer Wohnungen umzusetzen, wenn dies der örtliche Bedarf verlangt.

    Die disziplinierte Grundrissgestaltung der Wohnungen bietet eine gute Möblierbarkeit und Funktionalität, die durchgängig barrierefreie Planung ermöglicht zudem eine variable Belegung.

    BAULICHE MASSNAHMEN UND MATERIALITA?T

    Im Hinblick auf den als eher feucht einzuschätzenden Standort, wird ein homogener Massivbau aus Dämmziegeln in Verbindung mit Holz-Betonverbunddecken vorgeschlagen. Diese Baustoffe können einfach zur Baustelle geliefert werden und ermöglichen einen dem geförderten Wohnungsbau angemessenen schnellen und wirtschaftlichen Bauablauf. Zudem lassen sich monolithische Aufbauten leicht recyceln und in den Materialkreislauf zurückführen.

    Die fein rhythmisierte Lochfassade mit markant durchgefärbtem grobkörnigem Putz mit Glimmeranteilen nimmt die Materialsprache der umliegenden Altstadtgebäude auf, interpretiert diese zeitgemäß und trägt so der besonderen Lage des Gebäudes Rechnung. Der sommerliche Wärmeeintrag wird durch einen adäquaten Verglasungsanteil und außenliegende Textil-Screens reduziert, die zudem eine komfortable Verschattung ermöglichen. Die offene Erdgeschosszone setzt sich in ihrer Materialität ab und wiederholt sich in den farblich abgestimmten Holzfenstern. An Fensterfaschen und Erdgeschosszone wird die Putzstruktur variiert. Die Fassade wird dadurch subtil gegliedert und erhält eine hohe Wertigkeit.

    BRANDSCHUTZ

    Das geplante Gebäude wird in Gebäudeklasse 3 eingestuft. Der erste bauliche Rettungsweg wird über das zentrale Treppenhaus sichergestellt, welches den direkten Zugang ins Freie gewährleistet. Weiter ist der Rettungseinsatz mit Steckleitern möglich. Das Gebäude ist innerhalb von 50m von der Aufstellfläche des Einsatzfahrzeugs in der Floßergasse erreichbar. Die Brüstungshöhe der Fenster als zweiter Fluchtweg liegt unter 8m ab Geländeoberkante.

    ENERGIE UND NACHHALTIGKEIT

    Das kompakte Bauvolumen kann nachhaltig und sparsam mit dem Einbau einer Pelletsheizung autark versorgt werden. Die notwendige Lagerfläche für den Jahresverbrauch an Pellets findet im hangzugewandten Teil des Erdgeschosses ihren Platz.

    Die ausgesuchten Materialien verbessern des CO2-Fußabdruck des Gebäudes und lassen sich leicht in den Materialkreislauf zurückfu?hren.