Nichtoffener Planungswettbewerb: Realisierungswettbewerb Neubau Gemeindehaus Marktoberdorf
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Gemeindehaus Marktoberdorf
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    Adresse:

    Bahnhofstraße 25
    87616 Marktoberdorf

    Auftraggeber:

    Evang.-Luth. Kirchengemeinde Marktoberdorf
    Bahnhofstraße 25
    87616 Marktoberdorf
    mit Unterstützung der Evang.-Luth. Landeskirche Bayern

    Wettbewerb:

    Nichtoffener Planungswettbewerb: Realisierungswettbewerb Neubau Gemeindehaus Marktoberdorf - 4. Rang, engere Wahl

    Städtebauliche Situation und Rückbau

    Die Ev.-Luth. Kirchengemeinde Marktoberdorf beabsichtigt im bestehenden Ensemble mit Kirche und Pfarrhaus ein neues Gemeindehaus als Ersatzbau zu erteilen. Laut den Vorgaben des Auslobers und unserem Entwurfskonzept bleibt von der bestehenden Bebauung nur die Kirche, der Kirchturm und das Pfarrhaus erhalten. Sämtliche anderen Gebäudeteile werden abgebrochen. Der Standort des jetzigen Gemeindehauses ist als Standort für einen Neubau aus zwei Gesichtspunkten problematisch: Die zweiseitige Grenzbebauung mit Brandwänden ohne Möglichkeit von Freiraumbezug und Fensteröffnungen ergäbe wieder ähnlich große bauliche Einschränkungen, wie sie schon im Bestand vorhanden sind. Zudem ist auf Grund der gegebenen wirtschaftlichen Zwängen eine möglichst kompakte Anordnung von Kirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus zwingend. Der Standort im Norden ist jedoch hierfür zu peripher. Entsprechend unserem Entwurfskonzept kann die in den frühen achtziger Jahren erworbene Fläche für das jetzige Gemeindehaus zum Zwecke der Teilrefinanzierung an den nördlichen Eigentümer zurückgegeben werden. Die Streuobstwiese wird durch Entfernung des Fremdkörpers mit seinen zwei Brandwandfassaden deutlich aufgewertet.

     

    Entwurfskozept

    Die Entwurfsidee definiert ein kompaktes, wirtschaftliches, eingeschossiges und barrierefreies Gebäudeensemble mit einem gemeinsamen zentralen Foyer zwischen dem neuen Gemeindehaus und den bestehenden Gebäudeteilen von Kirche und Pfarrhaus. Das Foyer ist als freundlicher, übersichtlicher Eingangsbereich und Begegnungsfläche vor und nach Veranstaltungen und Gottesdiensten angelegt. Das Raumprogramm der Nutzflächen des neuen Gemeindehauses wird in zwei Bereiche geteilt. Separat angeordnet wird u.a. der Jugend-Gruppenraum. Dieser wird als Ersatzbau an der östlichen Kirchenlängsseite platziert. Dadurch ist eine Mehrfachnutzung im Gemeindezentrum durch gute akustische Trennung vom Saal und die erforderliche Erweiterbarkeit des Kirchenraumes bei Festen wie z.B. der Konfirmation und parallele Durchführung von Veranstaltungen gewährleistet. Die restlichen Räume wie Gemeindesaal, Gruppenraum, Büro für Jugendreferent, Sanitärräume und sonstige Nebenräume sind direkt an das Foyer angelagert. Der relativ kleine Gemeindesaal kann durch Zusammenschalten mit dem Foyer und/oder dem Gruppenraum durch Öffnen von mobilen Wänden zu einem großzügigen Versammlungsraum erweitert werden. Durch leichtes Aufkippen des Daches vom Gemeindehaus ist eine Aufstellung von mobilen Bühnenelementen auch ohne Ausbildung von überhöhten Raumhöhen im ganzen Gebäude möglich. Zudem gibt es dem Gemeindehaus eine eigenständige architektonische und baukörperliche Ausprägung. Die Küche ist an den Saal angliedert und hat eine gute Erreichbarkeit zum Foyer und kann durch eine Außenausgabe im Eingangsbereich auch den Kirchplatz für Feste bespielen. Der Kirchplatz wird als öffentlich wahrnehmbare Platzfläche mit Aufenthaltsqualität vor dem Eingang angelegt. Der Pfarrgarten ist als grüner Innenhof ebenfalls vom Foyer aus direkt erschlossen und kann als Festwiese genutzt werden. Das neue Gemeindehaus kann unter laufendem Betrieb des alten Gemeindehauses möglicherweise auch in Bauabschnitten realisiert werden. Der Abbruch des nördlichen Gemeindehauses kann erst nach Fertigstellung des Neubaus stattfinden, so dass hier für Interimsnutzungen entsprechend Platz vorhanden sein sollte.

     

    Materialität, Ökologie und Nachhaltigkeit

    In der Materialität präsentiert sich das Gebäude mit seiner vertikalen Holzleistenverschalung als ganzheitlich, unprätentiös und betont die Einfachheit des Gebäudes. Für die Baukonstruktion wird eine massive Holzbauweise mit Wänden aus Dübelholz-Elementen und einem Dach aus Brettsperrholz-Kastenelementen mit integrierten Hohlräumen für die technische Installation vorgeschlagen. Die Holzoberflächen können hierdurch ohne weitere Verkleidungen sichtbar bleiben. Die Decke ist mit einem Akustik-Leistenprofil und hinterlegtem Akustikabsorber ausgeführt. Die Ausführung gewährleistet eine kurze Bauzeit, regionale Wertschöpfung und eine warme Raumatmosphäre mit hellen Räumen. Bei der Auswahl der Materialität ist der Augenmerk auf Robustheit, Nachhaltigkeit und Baubiologie gerichtet. Aus Gründen der Kosteneinsparung sollte bei dem nur temporär genutzten Gebäude auf mechanische Lüftungsanlagen verzichtet werden. Durch die reduzierte Leitungsführung der technischen Anlagen in den Hohlkammern der Decke kann somit auf zusätzliche abgehängte Decken verzichtet werden. Ferner werden energiesparende Heiz- und Beleuchtungsanlagen, Anlagen zur Regenwasserversickerung und Grauwasserverwendung das ökologische Konzept ab.

     

    Jurybeurteilung

    Der kompakte Entwurfsansatz respektiert das enge Budget und wirbt sogar mit einem möglichen Grundstücksverkauf. Es entsteht eine große Freifläche auf der Nordseite, die aber als Außenbezug für die Gemeinde nur optisch genutzt wird. Die Verfasser formulieren durch die Stellung des Neubaus einen gedeckten Eingang an der richtigen Stelle. Das langgezogene aber leider auch schmale Foyer bindet richtig alle Funktionen zusammen. Die Raumverteilung ist bis auf den Jugendraum in der Fläche der Kirchenerweiterung durchaus konsequent und gut vorstellbar. Die Zugänglichkeit zum bestehenden Pfarramt an den Sanitärräumen vorbei ist dagegen nicht so gut. Durch den knappen Ansatz entstehen Zwänge, die für eine Realisierung problematisch werden: Abstand des Neubaus vor dem Pfarramt mit 3m (Brandschutz), Ein- und Ausgang der Kirche in einem weitgehend geschlossenem nicht gut belichtetem Flur gegenüber von Gemeinderäumen und Büro. Die vorgeschlagene Architektur eines knappen Holzbaus ist in sich stimmig und gestalterisch richtig geordnet, nach Auffassung des Preisgerichts an der belebten Bahnhofstraße städtebaulich mindestens diskussionswürdig.