Neubau einer Fachoberschule in Starnberg, Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil mit vorgeschaltetem Auswahl- / Losverfahren nach RPW 2013
    Bild zum Projekt Wettbewerb Neubau Fachoberschule Starnberg
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    Auftraggeber:

    Landkreis Starnberg

    Wettbewerb:

    Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil

    Projektbeteiligte:

    Landschaftsarchitekt:
    Burkhardt / Engelmayer / Mendel Landschaftsarchitekten und Stadtplaner PartmbB, München

    Mitwirkung Tragwerksplanung:
    Merz Kley Partner GmbH, Dornbirn

    Mitwirkung Energieberatung:
    Transsolar Energietechnik GmbH, München

    Mitwirkung Brandschutz:
    Anwander GmbH & Co. KG, Sulzberg

    Der Standort liegt verkehrsgünstig an der S-Bahn, umgeben von einem heterogenen Nutzungsmix: Die S-Bahntrasse im Westen, großvolumige Gewerbegebiete im Norden und Osten sowie teilweise kleinteilige Wohnbebauung im Süden. Nach Osten gibt die Baulinie eine Brandwand vor.

    Ein massiver Sockel füllt fast das gesamte Baufeld auf. Eine große Freitreppe mit Sitzstufen macht die Oberfläche des Sockels begehbar. Auf diesem Sockel ruhen versetzt und voneinander abgesetzt zwei Volumen: Das größere mit vier Obergeschossen beansprucht die Stellung als Landmarke, während das kleinere und die Lücke zwischen den Volumen zur Umgebung vermittelt. Es entsteht eine ebenso prägnante wie spannungsreiche Setzung, die in der heterogenen Umgebung Halt und Klarheit schafft.

     

    Verkehr und Erschließung

    Der Haupteingang orientiert sich Richtung S-Bahn und Zufahrt im Westen, um ein Ankommen auf kurzen Wegen und eine gute Orientierung zu ermöglichen. Auf der gesamten Gebäudebreite markiert eine überdachte Zone den Eingangsbereich.

    Die Zufahrt zur Tiefgarage befindet sich an der nördlichen Grundstücksgrenze. Dadurch wird der Verkehr so früh wie möglich abgefangen und der Vorplatz der Schule quasi autofrei – lediglich die Anwohner des Seilerwegs fahren seitlich entlang des großzügigen shared-spaces. Der Großteil der PKW und Motorrad Stellplätze befinden sich in der Tiefgarage. Für die Anwohner des Mehrfamilienhauses befinden sich 20 oberirdische Stellplätze in der Nähe der Hauseingänge, sowie 12 weitere in der Tiefgarage. Die Fahrradstellplätze liegen zentral im Bereich des Gasanschluss-Häuschens oder an der Fortführung des Geh- und Radweges von Osten kommend.

    Die Ausgänge der Tiefgarage münden alle direkt ins Freie, sodass kein Konflikt mit der Zugangskontrolle der Schule entsteht. Die barrierefreie Erschließung der Tiefgarage erfolgt über den Lift der Sporthalle. Die Anlieferung der Küche und die Entsorgung erfolgt unauffällig und pragmatisch neben der Zufahrt zur Tiefgarage im überdachten Eingangsbereich.

     

    Freianlagen

    Der Seilerweg wird von der neuen TG Zufahrt im Norden bis zur Münchner Straße im Süden auf den Einbahnverkehr beschränkt. Durch einen klaren Belagswechsel wird der Übergang in die neue Shared Space Zone vor der FOS kenntlich gemacht. Die für Anwohner, Busse und Rettungsfahrzeuge nutzbare Fahrspur wird dabei durch geschickte Anordnung von Grünflächen und Fahrradstellplätzen definiert. Durch die randliche Lage der Fahrradstellplätze entstehen um den Neubau herum große zusammenhängende Freiflächen, die sich in mehrere Zonen gliedern:

    Vor dem Haupteingang im Nordwesten erstreckt sich ein großzügiger Vorplatz mit mehreren rechteckigen Grüninseln, wo sich auch der große Bestandsbaum weiter entfalten kann. Der Vorplatz geht nahtlos u?ber in die südliche Pausenhoffläche, zu der sich auch der Neubau mit seiner zentral liegenden Mensa hin öffnet. Eine üppig bepflanzte Geländeerhebung schirmt die Freianlagen der FOS vom angrenzenden Seilerweg mit den daran angeordneten PKW-Stellplätzen ab und schafft gleichzeitig genügend Aufbau, um auch größere Bäume auf der Tiefgarage zu pflanzen. Über eine breite Freitreppe mit Sitzstufen erreichen die Schüler die große Dachterrasse, die als Erweiterung der Pausenhoffläche dient. Eine kleinere Terrassenfläche im Norden dient als Aufenthaltsort für die Lehrkräfte.

    Großzügige Sitzelemente aus Holz ziehen sich als verbindendes Gestaltungselement über das FOS-Gelände und setzen Akzente in dem schlichten aber klaren Freiraumentwurf.

     

    Nutzungen

    Der prominente, hohe und eher transparente Baukörper beinhaltet die Klassen- und Fachräume. In dem hinteren, eher geschlossenen Volumen finden die Sporthalle sowie Nebenräume Platz. Im Sockel befinden sich alle übergreifenden Funktionen: Aula, Pausenhalle, Mensa und Küche, Verwaltung und Lehrerbereich. Der Sockel dient als erhöhte Pausenfläche mit besonderer Aufenthaltsqualität und Sichtbezügen in die Sporthalle und zum gemeinsamen MINT Cluster.

    Das Foyer bildet die zentrale Erschließung mit einer offenen Treppe in die oberen Klassenräume. Es setzt sich in einer zentralen Magistrale fort, die - vom Treppenauge und dem Innenhof belichtet - auch die Verwaltung, den Lehrerbereich und der Zugang zur Sporthalle erschließt. Mensa, Schülleraufenthalt und Pausenhalle verbinden sich mit dem Foyer zu einem großzügigen, fließenden Kontinuum, das bis an die südlich gelegenen Pausenflächen reicht. Musik- und Proberaum gliedern sich hier an.

    Im Norden liegt an der Zufahrt zur Tiefgarage die Küche mit ihren Nebenräumen logistisch günstig. Die Ausgabe zur Mensa erfolgt ohne Kreuzung von Verkehrsflächen, der Sitzbereich der Mensa liegt am Innenhof. Im Bereich des Gartens hinter der Tiefgarageneinfahrt liegen die sehr ruhigen Räume für die Lehrer und die Beratungsbüros. Unbelichtete Kernbereiche des Sockelgeschosses bieten ausreichend Platz für Lager-, Sanitär- und sonstige Nebenräume.

    Im Osten zur Brandwand befinden sich die Umkleideräume, die auch direkt von außen erreicht werden können, um eine Vereinsnutzung außerhalb der Schulzeiten zu ermöglichen. Dieser Nebeneingang ist gleichzeitig barrierefreier Ausgang aus der Tiefgarage für die Bewohner des MFH im Seilerweg.

    Im ersten Obergeschoss befinden sich weitere von allen Schülern genutzte Funktionen: Im Hauptgebäude die Fachräume des MINT Clusters, Sammlungen und Fachschaftsräume. Im kleineren Volumen auf gleicher Höhe mit der oberen Pausenfläche die Sporthalle mit Nebenräumen.

     

    Cluster

    Im zweiten bis vierten Obergeschoss des Hauptgebäudes befinden sich jeweils 2 Doppelcluster. Aus der gemeinsamen Mitte heraus werden die 4 Klassenräume und 2 Gruppenräume erschlossen. Vor den Gruppenräumen liegt eine durch eine Verglasung lärmgeschützte Loggia.

    Eine gemeinsam genutzt Kernzone im Hauptgebäude bietet die notwendige Infrastruktur wie Lüftungsschächte, sanitäre Anlagen und Technikräume auf jedem Stockwerk. Die einfache und wiederkehrende Grundrissstruktur erleichtert die Orientierung.

     

    Materialität

    Tiefgarage und Sockelgeschoss werden massiv in zweischaligem, eingefärbtem Sichtbeton erstellt. Die Decken werden großzügig abgehängt und bieten Raum für die horizontale Verteilung der TGA. Dennoch bleibt eine großzügige Raumhöhe von 3,7m

    Die Obergeschosse werden in Holzkonstruktion erstellt. In der Fassade stehen Holzstützen mit e=2,60m oder aussteifende Brettsperrholzwände mit davor liegender Dämmebene. Die Innenwände in Längsrichtung werden tragend als Brettsperrholzwände mit Vorsatzschalen für den Schallschutz ausgeführt. Alle kurzen Querwände und der Kern können somit nichttragend in Trockenbau ausgeführt werden.

    Die Decken werden als Holz-Beton-Verbunddecken mit Flächenhohlboden ausgeführt. Diese Konstruktion ist nicht nur wirtschaftlich, sondern durch die Flexibilität auch sehr nachhaltig, da das Gebäude leicht an sich verändernde Bedürfnisse angepasst werden kann, bzw. einfach nachinstalliert werden kann.

    Die Decken werden mit Holzfaserplatten als Akustikdecken und Installationsebene bekleidet. Durch die einseitigen Vorsatzschalen haben alle Klassenräume weiße Wandoberflächen, die als Magnet- oder Whiteboard Flächen ausgestattet werden können. Die gemeinsame Mitte wird wertige Glas- oder Holzoberflächen erhalten.

     

    Fassade

    Die geschlossenen Wandbereiche erhalten eine hinterlüftete Fassade aus profiliertem Blech, das in feinen Fugen die Geschossigkeit ablesen lässt. Die transparenteren Bereiche erhalten mit ihrer klaren Gliederung aus horizontalen Geschossbändern und dicht gereihten Lamellen eine zurückhaltende Eleganz.

    Die zwischen die Stützen gestellten Wand- und Brüstungselemente mit einer zurückliegenden, glatten Blechfassade werden gegliedert durch feine senkrechte Lamellen. In der Schrägansicht schließen diese Lamellen optisch den Kubus zu einem ruhigen Volumen.

     

    Energie und Nachhaltigkeit

    Bei der Entwicklung des integralen Klimakonzepts für das Schulgebäude der FOS Starnberg wurden im Besonderen folgende Ziele verfolgt:

    -  Sicherstellung der Luftqualität, insbesondere bei niedrigen Außentemperaturen ohne Zugerscheinungen und ohne Beeinträchtigung durch Außenlärm

    -  Begrenzung der sommerlichen Raumtemperaturen

    -  Minimierung Energiebedarf–Hauptenergieverbraucher: Heizung, Lüftung und Kunstlicht

    -  Deckung des Energiebedarfs durch erneuerbare Energien

    Aufgrund der heutzutage sehr luftdichten Fassaden in Kombination mit der hohen Belegungsdichte in den Räumen, kann mit einer reinen Stoßlüftung die CO2-Konzentration nicht entsprechend begrenzt werden. Daraus entwickelte sich das hier vorgeschlagene Lüftung- und Klimakonzept, dass integral gedacht wurde und sich in der Architektur widerspiegelt. Das Lüftungskonzept basiert auf einer mechanischen Grundlüftung mit zusätzlicher Stoßlüftung in den Pausenzeiten (Hybride Lüftung). Durch diese Kombination werden die Größe und Querschnitte für die mechanische Lüftung reduziert.

    Die großzügigen Raumhöhen schaffen Volumen und fördern die Luftqualität im Klassenzimmer. Zur Grundlüftung wird die Zuluft über einen Erdkanal vorkonditioniert. So können die Klassenräume ohne Beeinträchtigung durch Außenlärm und Zugerscheinungen mit Frischluft versorgt werden.

    Die Luft wird im Fassadenbereich in die Räume eingebracht und strömt dann über schallgedämmte Überströmöffnungen in die Kernbereiche und über zentrale Abluftschächte über Dach. Jede Nutzungseinheit bekommt seinen eigenen Zu- und Abluftschacht. Über ein Kreislaufverbundsystem wird die Wärmerückgewinnung realisiert. Die Küche wird über eine separate Lüftungsanlage be- und entlüftet. Die Sporthalle soll über Fassadenöffnungen und Oberlichter rein natürlich gelüftet werden. Die Klassenräume werden über großflächige Niedertemperaturheizkörper, die Mensa sowie die Sporthalle werden über Fußbodenheizung beheizt.

    Der sommerliche Komfort wird über mehrere Bausteine erfüllt. Durch einen adäquaten Verglasungsanteil und einer Kombination aus Sonnenschutzverglasung und außenliegendem Sonnen- bzw. Blendschutz werden die solaren Einträge reduziert sowie eine ausreichende Tageslichtversorgung gewährleistet. Über den Erdkanal wird im Sommer die Zuluft vorkonditioniert, somit können auch im Sommer komfortable Temperaturen sichergestellt werden.

    Die Energieversorgung nutzt lokale und regenerative Quellen. Im Winter wird das Gebäude über ein effizientes Wärmepumpensystem beheizt. Als Wärmequelle dient das am Standort verfügbare Grundwasser. Das Grundwasser kann im Sommer bei Bedarf auch zur freien Kühlung verwendet werden. Zu regenerativen Stromerzeugung werden auf den Dächern Photovoltaikelemente in Kombination mit einem Gründach installiert. Dieses System kann ggf. mit Batteriespeichern erweitert werden, um den Anteil der Stromeigennutzung zu erhöhen. Ebenfalls ist die Kopplung zur E-Mobilität möglich. Die Photovoltaikpaneelen produzieren so viel Energie über das Jahr hinweg, dass die Schule zur „Klimapositive“-Schule wird.