Umbau und Generalsanierung der Schulgebäude (Berufsschulen I-III) mit Tiefgaragen, Berufliches Schulzentrum Kempten
    Bild zum Projekt Berufliches Schulzentrum Kempten, Berufsschulen I, II und  III
    Bild zum Projekt Berufliches Schulzentrum Kempten, Berufsschulen I, II und  III
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    Auftraggeber:

    Zweckverband Berufliches Schulzentrum

    Wettbewerb:

    Zuschlag nach VgV-Verfahren

    Beauftragte Leistung:

    Objektplanung LPH 1-9 HOAI

    Projektzeiten:

    Planung: ab 10/2018
    Bauzeit TG BSI: 08/2020 - 07/2021
    Bauzeit BS I: 07/2022 - 08/2025
    Bauzeit BS III: 07/2025 - 12/2027
    Bauzeit BS II: 07/2027 – 07/2029

    Projektgröße:

    Berufsschulen I+III
    BGF 29.788 m2
    BRI 115.636 m3
    NUF 18.746 m2

    Berufsschule II
    BGF 9.873 m2
    BRI 30.511 m3
    NUF 5.817 m2

    Baukosten:

    Berufsschulen I+III
    KGR 300-400: 52,1 Mio € brutto
    KGR 200-700: 70,5 Mio € brutto

    Berufsschule II
    KGR 300-400: 16,1 Mio € brutto
    KGR 200-700: 21,7 Mio € brutto

    Projektbeteiligte:

    Tragwerksplanung:
    Dr. Schütz Ingenieure, Kempten

    Brandschutzplanung:
    Konstruktionsgruppe Bauen AG, Kempten

    Elektroanlagenplanung:
    Körbl + Feneberg GmbH, Füssen

    HLS-Planung:
    Schreiber Ing. Gebäudetechnik GmbH, Ulm

    Freianlagenplanung:
    Wilhelm Müller, Kempten

    Visualisierung:
    Rendertaxi, Aachen

    Ausgangslage

    Seit Jahren herrscht Platzmangel im Beruflichen Schulzentrum in Kempten. Die Schüler wandeln zwischen verschiedenen Gebäuden hin und her, es fehlt an Aufenthaltsmöglichkeiten und auch die Verwaltung und die Lehrerschaft agieren auf beengtem Raum. Mit einem Neubau der FOS-BOS entlang der Kotterner Straße werden diese Probleme der Vergangenheit angehören.

    Der Zweckverband Berufliches Schulzentrum Kempten baut nun im ersten Schritt eine Erweiterung für die FOS-BOS in Kempten, um den Flächenbedarf zu decken. Alle Raumfunktionen, die bislang zum Teil in die benachbarten Berufsschulen ausgelagert wurden, werden neu geordnet. Ein Kerngedanke für die Neubauplanung ist die Schaffung eines Campus, welcher schulübergreifend die Arealgestaltung von FOS-BOS und den drei Berufsschulen, der Wirtschaftsschule und der Technikerschule Allgäu (TSA) bestimmen soll. Im zweiten Schritt ist der Umbau und die Generalsanierung der Berufsschulen im Beruflichen Schulzentrums Kempten (BSZ) geplant.

     

    Städtebauliche Bestandssituation

    Das Quartier des beruflichen Schulzentrums wurde auf den ehemaligen Gleisanlagen nach dem Abbruch des Kemptener Kopfbahnhofes errichtet. Der Schulkomplex Berufsschulzentrum Kempten wurde in mehreren Bauphasen zwischen 1978 und 1999 fertiggestellt.

    Zum Campus gehören:

    • die Berufsschule I mit der Ausbildung für gewerblich-technische Berufe (GTS) und der Technikerschule Allgäu
    • die Berufsschule II für kaufmännische Berufe und Berufe des Gesundheitswesens (KBS) mit der Wirtschaftsschule
    • die Berufsschule III für hauswirtschaftliche und landwirtschaftliche Berufe (HLS), der Berufsfachschule für Kinderpflege und der Berufsfachschule für Sozialpflege
    • östlich auf dem Campus befinden sich die Fachoberschule (FOS) und die Berufsoberschule (BOS) gemeinsam in dem sogenannten Rundbau
    • auf dem südlichen Grundstücksteil gibt es außerdem drei Hausmeisterhäuser und eine 3-fach- Turnhalle
    • in direkter Nachbarschaft liegt das Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Handwerkskammer Schwaben (BTZ)

    Städtebaulich und gestalterisch hat sich das gesamte Areal trotz Architekturwettbewerb, Masterplanung und Bebauungsplan seit den achtziger Jahren recht inhomogen entwickelt. Das Ensemble der Berufsschulen mit seinen qualitätsvollen, aber sanierungsbedürftigen Ziegelbauten wurde mit dem wellblechverkleideten Rundbau der FOS-BOS und dem verputzen BTZ der Handwerkskammer Schwaben weiterentwickelt.

    Der städtebauliche Entwurfsansatz sieht einen langgestreckten Erweiterungsbau der FOS-BOS mit punktueller Verbindung zum zentralen Rundbau vor, um dem Campus einen „Halt“ zur mittlerweile sehr stark frequentierten Kotterner Straße zu geben und dadurch die Stadt- und freiräumlichen Qualitäten des Campus und der Freiflächen zu stärken. Die bestehenden Freianlagen rund um die Berufsschulen mit ihrer parkähnlichen Wirkung finden bislang mit dem bestehenden Parkplatz entlang der Kotterner Straße derzeit keinen adäquaten Abschluss.

    Mit der Fertigstellung des Erweiterungsbaus und der Sanierung des Bestandsgebäudes FOS-BOS werden die derzeit von der FOS-BOS in den Berufsschulen genutzten Flächen, ausgenommen der Werkstatträume, freigegeben.

     

    Planerische Anforderungen und Umsetzung im Entwurfskonzept – neues Lernen und Lehren in neu gestalteten Räumen

    An der Berufsschule I werden Auszubildende aus den Berufsfeldern Metalltechnik (Industrie und Handwerk), Elektrotechnik (Industrie und Handwerk), Mechatronik, IT-Technik sowie Druck- und Medientechnik unterrichtet. Überdies werden Jugendliche ohne Ausbildungsplatz, die sich für eine spätere Berufsausbildung im Bereich Technik - insbesondere Metall- und Elektrotechnik - interessieren, unterrichtet.

    In das Schulgebäude angegliedert ist die Fachschule für Mechatroniktechnik (Technikerschule) Allgäu sowie die Staatliche Berufsschule I Kempten, Seminarschule für Metalltechnik.

    Für die Berufsschule I sind - neben den baulichen Gegebenheiten -, für eine moderne, gewerblich-technische Berufliche Schule, eine dem Stand der Technik entsprechende und darüber hinaus in die Zukunft gerichtete technische Ausstattung, von enormer Bedeutung. Für die Schule ist es eine Verpflichtung, technologische Neuerungen frühzeitig aufzunehmen und die künftigen Fachkräfte hierauf bestmöglich vorzubereiten. Damit soll die Beschäftigungsfähigkeit der Facharbeiter und Techniker in der heimischen Region gefördert und gesichert werden.

    Die Digitalisierung und die mit ihr einhergehenden Entwicklungen verändern die Arbeitswelt in der Industrie. Dabei stehen die unter dem Schlagwort Industrie 4.0 beschriebenen Veränderungen in der industriellen Produktion im Mittelpunkt. Leitbild für Industrie 4.0 sind wandlungsfähige und vernetzte Produktions- und Logistikprozesse, die eine hocheffiziente und äußerst flexible Produktion ermöglichen, Kundenwünsche in Echtzeit integrieren und individuelle Produktvarianten möglich machen.

    Industrie 4.0 gilt als vierte Stufe der Industrialisierung, die eine intelligente Vernetzung von Ressourcen, Informationen, Objekten und Menschen auf Basis von cyberphysischen Systemen (CPS) kennzeichnet. In Unternehmen wird das z. B. daran erkennbar, dass Prozesse digital abgebildet sind und Tablets sowie moderne Leitstände zum Einsatz kommen. Intelligente Sensoren sorgen innerhalb der Anlagen dafür, dass ganze Prozessketten, einschließlich der Materialflüsse, abgestimmt und optimiert sind, diese IT-gestützt betrieben werden und dass vorausschauend instandgehalten und in Prozesse eingegriffen werden kann.

    Mit der Arbeitswelt ändern sich die Qualifikationsanforderungen an die Fachkräfte. Das setzt Flexibilität und breite Qualifikationen voraus. Gefordert sind nicht nur neue „digitale“ fachliche Qualifikationen, die beispielsweise ein größeres Abstraktionsvermögen, Prozess- und Systemverständnis betreffen, zur Beherrschung von vernetzten Systemen sind auch methodische, soziale und personle Kompetenzen wichtig. Komplexe digitalisierte Produktionsprozesse sind heute von einzelnen Fachkräften nicht mehr zu beherrschen. Um diese Systeme handlungssicher zu entwickeln, zu bauen und zu betreiben, arbeiten interdisziplinäre Teams in der gesamten Wertschöpfungskette zusammen.

    Durch die steigende Komplexität miteinander vernetzter Systeme und durch sich verkürzende Innovationszyklen neuer Techniken, steigen darüber hinaus die Anforderungen an die Problemlösungs- und Selbstlernkompetenzen aller Beschäftigten.

    Die gemeinsame Zielsetzung der regionalen Bildungspartner für die kommenden Jahre wird in einer noch stärkeren Vernetzung und in der Fortführung gemeinsamer Projekte münden, um eine praxisnahe und auch innovative Ausbildung zu sichern. Diese praxisnahe Umsetzung zielt darauf ab, das abstrakte Konzept - Industrie 4.0 - verständlich durch ein geeignetes Unterrichtskonzept der Lehrkräfte zu vermitteln und durch die entsprechende Ausstattung zu unterstützen.

    In der Berufsschule II werden kaufmännische und medizinische Berufe ausgebildet. Zudem sind eine Seminarschule und die Wirtschaftsschule angegliedert. In der Wirtschaftsschule Kempten werden ehemaligen Schülern von Mittel-, Realschulen und Gymnasien angeboten, die Mittlere Reife zu erlangen. Die Schülerinnen und Schüler lernen hier für ihr Leben, ihren späteren Beruf oder für die Vorbereitung auf den Besuch weiterführender Schulen. Daher wird viel Wert gelegt auf fördern, fordern, auf praktische Erfahrung und kompetenzorientierten Unterricht. 

    Die Berufsschule III in Kempten ist auf vier verschiedene Fachrichtungen aufgeteilt: Berufsschule, Berufsfachschule für Hauswirtschaft, Berufsfachschule für Kinderpflege und Berufsfachschule für Sozialpflege. In der Berufsschule werden in einem grünen Bereich (Floristen, Gärtner, Landwirte), in einem weißen Bereich (Molkereifachleute, Bäcker) und in einem roten Bereich (Metzger) sowie Jugendliche ohne Ausbildungsplatz (JoA) ausgebildet.

    In den Berufsschulen soll unter Berücksichtigung der aktuell angemeldeten Flächenbedarfe eine Neuordnung der Raumfunktionen im Bestand stattfinden. Die Fachräume werden, soweit möglich, zu Clustern zusammengeführt.

    In Ebene 3 der Berufsschule I befinden sich die Fachbereiche Mechatronik und IT-Technik, in Ebene 2 die Fachbereiche Elektrotechnik, die Technikerschule sowie die Verwaltungsräume. In Ebene 1 angeordnet sind die Technikerschule Allgäu, die Aula, der Aufenthaltsbereich mit Kioskverkauf und 2 Prüfungsräume. In Ebene 0 werden die Fachbereiche Metallbau I/III sowie Druck- und Medientechnik - u.a. aufgrund der vorhandenen Ausstattung mit schweren Geräten und Maschinen - weitestgehend in den bisherigen Räumen belassen. Die Werkstatträume Fachbereich Metallbau II und FOS-BOS werden getauscht. Die Werkstätten der FOS BOS werden nach Süden, näher an den Rundbau und den zukünftigen Erweiterungsbau gelegt. Die Einrichtung „Industrie 4.0“ führt in Ebene 0 zu einer Umwidmung des bestehenden Kiosks sowie zu einer Verringerung der Verkehrsfläche im Erschließungskern. Mit der zentralen Anordnung wird ein zusätzlicher Nutzungs-Schwerpunkt in dieser Ebene geschaffen.

    In Berufsschule III verlassen die Räume der Bäcker und Konditoren aus dem Bereich Ernährung Ebene 0 und sind zukünftig in Ebene 1 zu finden. Die Fachräume der Fleischer verbleiben an deren bisheriger Position. Der Fachbereich Agrar I wird um Unterrichtsräume und eine Bodenhalle erweitert.

    Die südliche Spange der Ebenen 1 und 2 wird von Klassen- und PC-Räumen der Wirtschaftsschule sowie dem Fachbereich Medizin der Berufsschule II belegt. Hiermit wird die bisherige Nutzfläche der Wirtschaftsschule im Gebäude der Berufsschule III annähernd verdoppelt. Die Verwaltung verbleibt in Ebene 2, der Grundriss wird jedoch optimiert. Die übrigen Räume in der Berufsschule III in den Ebenen 2 und 3 werden von der Berufsfachschule für Kinderpflege und Sozialpflege belegt.

    Die in den Berufsschulen I und III von der Nutzung FOS-BOS freigeräumten Flächen werden mit den zusätzlich angemeldeten Raumbedarfen BS I-III somit komplett belegt.

    Im Gebäude der BS II sind die Räume der Berufsschule II und der Wirtschaftsschule räumlich jeweils zusammengeführt in eigenen Gebäudespangen untergebracht. Der Verwaltungsbereich bleibt an seiner Position, der Grundriss wird verändert. Die Aula in Ebene 0 erhält durch eine Ausweitung nach Norden zusätzliche Fläche für die Einrichtung eines Prüfungsraums.

    Die Haupterschließung innerhalb der einzelnen Berufsschulgebäude erfolgt nach wie vor über die zentralen Treppenhäuser, welche aufgrund der Vorgaben des vorbeugenden baulichen Brandschutzes mit einer feuerhemmenden Glaswand von den Gebäudespangen nach wie vor abgetrennt werden muss.

    In den oberen Geschossen um den Erschließungskern bleibt aufgrund der Flächen von 600-700 m2 die Erschließung der Klassen- und Fachräume in den Teilnutzungseinheiten über notwendige Flure erforderlich.

    Deren Kernbereiche werden um die lärmintensiven Werkstätten und die dunklen Lagerräume bereinigt. Mit feuerhemmender Verglasung versehen werden hier zukünftig zentrale Besprechungs- bzw. Differenzierungsräume angeordnet. Diese Zonen werden heller und freundlicher gestaltet und sollen hiermit deutlich an Aufenthaltswert gewinnen.

    Wichtig für die Nutzer ist eine Einrichtung von Prüfungsräumen. Diese werden - jeweils mit mobilen Trennwänden ausgestattet - an die Aulen der einzelnen Schulen angegliedert.

    Die Anordnung der Schüler- und Lehrer-WCs wird auf die WC-Kerne der Treppenhäuser reduziert, Versorgungsleitungen und Lüftungskanäle somit deutlich optimiert.

     

    Bauliche Sanierungsmaßnahmen

    Die Bestandsbauten der Berufsschulen werden anschließend einer Generalsanierung und einem Umbau unterzogen. Die Berufsschulen werden dabei technisch, energetisch und funktional auf einen Neubaustandard angehoben.

    Nach Auswertung der Erkenntnisse aus den Sondierungsöffnungen in der vorgeblendeten Ziegelfassade der BS I und III wurden zwei Sanierungskonzepte der Fassaden untersucht:

    Variante 1: Ertüchtigung und energetische Sanierung der bestehenden Bestandsfassade und der Vordächer

    Die vorhandene Ziegelfassade ist nicht mehr standsicher und müsste vollflächig mit einem dafür zugelassenen System rückverankert werden. Zudem müssten die korrodierten geschossweisen, linearen Auflagerkonsolen punktuell instandgesetzt werden

    Die Außenwände erhalten raumseitig eine mehrschalige Innendämmung. Im Bereich der Stürze und am Anschluss zur Stahlbetondecke kommen aufgrund der komplizierten und kleinteiligen Geometrie Calcium-Silikat-Dämmplatten zur Ausführung. Durch die Innendämmung wäre jedoch mit einem Verlust von ca. 450 m2 Nutzfläche zu rechnen. Zudem wäre ein Verlust von aktiver Speichermasse zu verzeichnen und ein aufwendiges Dampfdichtungssystem erforderlich.

    Sämtliche undichte Vordächer müssten in dieser Planungsvariante komplett erneuert werden. Durch eine erforderliche Gefälleausbildung der Rinnen würde sich der Aufbau der Vordächer deutlich erhöhen, wodurch die Dächer gestalterisch eine nicht passende Proportion erhalten würden. Die Abläufe der Rinnen müssten zudem bauphysikalisch ungünstig weiterhin ins Gebäude geführt werden.

    Variante 2: Kompletterneuerung der Fassade

    Die freigegebene Vorentwurfsvariante sieht vor, die schadhaften Fassaden komplett abzutragen und zu ersetzen. Die neuen Fassaden werden durch ziegelrote Keramikelemente, die als Reminiszenz an die alten Ziegelfassaden der Berufsschulen gestaltet werden.

    Die dauerhafte Tragfähigkeit und Gebrauchstauglichkeit der Stahlprofile und Gläser der Fenster- und Türelemente ist gemäß bauphysikalischer Bewertung nicht gegeben und energetisch kaum wirtschaftlich.

    Vorgesehen ist der Ausbau der bestehenden Elemente und der Einbau einer Pfosten-Riegel-Fassade aus Aluminium mit Isolierverglasung. Die Fassade wird mit einer regelmäßigen Abfolge von festverglasten Elementen und Öffnungsflügeln geplant. Ebenfalls als Pfosten-Riegel-Fassade sind die geschossübergreifenden Zugangsfassaden ausgeführt. Durch die anthrazitfarbenen Fensterbänder werden die Fassaden angenehm gegliedert.

    Die vorhanden Fallarmmarkisen und Raffstoreanlagen sind marode und werden rückgebaut. In Abstimmung mit dem Bauphysiker wird ein Sonnenschutz aus Raffstore-Elementen vorgesehen. Für den sommerlichen Wärmeschutz ist ein Sonnenschutz nur effizient, wenn dieser möglichst unmittelbar vor den Fensterelementen liegt.

    Die Verglasungen werden mit innenliegenden Vorhängen bzw. Rollos ausgestattet, welche als Blend- und Sichtschutz dienen. Die Fachräume erhalten, teilweise aufgrund technischer Bedürfnisse, eine innenseitige Vollverdunklung.

    Vor allem in den Ebenen 0 und 1 der BS I werden größere Eingriffe in die Gestaltung der Außenfassade vorgenommen. Die Brüstungen von einzelnen Außenwänden werden rückgebaut und raumhohe Glasfassaden eingesetzt, um zusätzliche Belichtung der tiefen Raumzonen zu ermöglichen. Zudem werden die geschossübergreifenden Eingangsfassaden der Berufsschulen I-III begradigt und somit bauphysikalische und konstruktive Schwachstellen an den Anschlusspunkten zu den vorgeblendeten Ziegelfassaden ansatzweise behoben. Notwendig wird an dieser Stelle auch die Anpassung der Flachdachränder.

    Um eine aufwendige Ertüchtigung einzelner Flurabschnitte in BS I Ebene 0 zu notwendigen Fluren vermeiden zu können, werden bei der Überarbeitung der Fassaden direkte Notausgänge der Werkstatträume ins Freie vorgesehen.

    Zur Beruhigung der Westfassade BS I wird der Erker der Verwaltung in Ebene 2 rückgebaut, die Fassade zukünftig in einer Ebene geführt.

    Die zukünftigen Lüftungsgeräte werden auf den Flachdächern positioniert und soweit möglich an die vorhandene obere Technikzentrale angedockt. Das gesamte obere Technikgeschoss erhält eine leichte Fassadenkonstruktion aus Metall. Zwei weitere Lüftungsgeräte, welche die Ebene 0 der Berufsschulen I und III versorgen werden vor den Fassaden Kotterner Straße und Wiesstraße platziert und bei der neuen Fassadengestaltung berücksichtigt.

     

    Durch die Variante 2 ergeben sich zum einen erhebliche Kostenvorteile gegenüber einer Sanierungslösung. Die Dauerhaftigkeit und energetische Nachhaltigkeit werden zudem deutlich erhöht. Insgesamt ergibt sich für den Gesamtcampus mit dem Erweiterungsbau der FOS-BOS eine einheitliche moderne Fassadenausprägung, die dem Gebäude einer sich wandelnden Schule ein neues zeitgemäßes Kleid geben wird.

    Die Flachdächer wurden zum größten Teil als Umkehrdächer ohne Gefälle saniert. Die Dächer sind gegenwärtig noch dicht, stellen aufgrund der Dämmstärke von 120 mm jedoch nicht das wirtschaftliche Optimum dar.  Aufgrund fehlender Aufkantungen zu den Oberlichtern, Glasdächern, Attiken und einem deutlichen Pflanzenwuchs in den Dachflächen ist eine Überarbeitung der Abdichtung erforderlich.

    Bei der Erstellung der Sondierungsöffnungen wurde an mehreren Stellen stehendes Wasser festgestellt, welches die Funktion der Wärmedämmung deutlich einschränkt.

    Der Dachaufbau wird folglich komplett rück- und als Warmdach mit Gefälle neu aufgebaut. Zudem wird die Zahl der Abläufe erhöht, so dass eine schnelle geregelte Entwässerung gewährleistet werden kann. Die Hauptdächer der Gebäude erhalten eine Kiesschüttung als Dachbelag. Die Glasdächer der Treppenhauskerne werden gegen eine Dachverglasung mit Wärme- und Sonnenschutzglas ausgetauscht und mit horizontalem Sonnenschutz versehen.

    Sämtliche sichtbaren Oberflächen wie Türen, Wand, Decken und Bodenbeläge werden instandgesetzt bzw. erneuert. Die Innenwände des Bestands werden dabei weitestgehend erhalten. Aufgrund von Nutzungsänderungen, den damit verbundenen Anpassungen des Grundrisses und den zusätzlichen Vorgaben aus dem vorbeugenden baulichen Brandschutz wird der Aufbau neuer Innenwände erforderlich.

    Flurwände und Zwischenwände innerhalb der Werkstätten in Ebene 0 werden an den Bestand, in Sichtmauerwerk vorgesehen, angepasst; sonstige Raumabschlüsse - auch die innerhalb der Sanitärbereiche - in Trockenbauweise. Wandanstriche vorhandener Innenwände werden überarbeitet, neue Wandbauteile entsprechend farbbeschichtet. Die Sanitärkerne erhalten raumhohe Fliesenbeläge.

    Die aus statischen Gründen bereits rückgebauten vorgeblendeten inneren Ziegelfassaden in BS I und III werden entsprechend dem ursprünglichen Zustand mit einem zugelassenen Verankerungssystem wieder aufgebaut.

    In den Schulgebäuden werden aufgrund der Anforderungen aus der Raumakustik bezüglich Nachhallzeit und Sprachverständlichkeit abgehängte Akustikdecken aus gelochten Gipskartonplatten montiert und farbbeschichtet. Die vorhandenen Trockenbau- und Holzdecken werden entfernt.

    Die Installationstrassen innerhalb der notwendigen Flure werden brandschutzgerecht umkleidet.

    Die WC-Kerne erhalten glatte Abhangdecken, die lichte Raumhöhe wird hier auf 2,50 m beschränkt.

    Sämtliche Deckenbeläge werden rückgebaut. Die Aulen erhalten einen schwimmenden Heizestrich inkl. Natursteinbelag. Während in den Klassen- und Fachräumen - wie vom Bauherrn gewünscht - der vorhandene Verbundestrich erhalten bleibt und mit Kugelgarn belegt wird, wird aufgrund der neuen Raumgestaltung in den Kernbereichen der einzelnen Gebäudespangen der komplette Deckenaufbau rückgebaut und durch einen schwimmenden Estrich mit Linoleum-Belag ersetzt.

    Gemäß den Anforderungen des vorbeugenden baulichen Brandschutzes sind in Ebene 0 der

    BS I einige Innentüren und -Fenster aus Stahl gegen feuerhemmende Elemente auszutauschen bzw. neue Elemente zu ergänzen. Dies betrifft Fensterelemente in den Achsen A-D / 8 und D / 8-10 sowie die Brandschutzabschlüsse innerhalb der Erschließungsflure.

    Mit F30-Qualität sind ebenso die System-Glaswände zwischen den Nutzungseinheiten und dem Erschließungskern in allen Geschossen der Berufsschulen auszuführen.

    Hinzu kommt die feuerhemmende Ausführung der Glas-Systemtrennwände innerhalb der Kernzonen der Nutzungseinheiten (Differenzierungs- und Besprechungsräume).

    In der Vorplanung werden sämtliche beschichteten Innentüren gegen neue Türelemente ausgetauscht. Anforderungen aus Schall- und Brandschutz sind hierbei berücksichtigt.

     

    Gebäudetechnische Sanierungsmaßnahmen

    Die gesamte Haustechnik wird im Zuge der Baumaßnahme erneuert bzw. ersetzt. Die Wärmeversorgung erfolgt wie bisher durch Fernwärmeversorgung auf dem gesamten Campus.

    Aufgrund der Schallemissionen der umliegenden Straßen wird in allen wesentlichen Aufenthaltsräumen eine ausreichende Durchlüftung durch eine zentrale Lüftungsanlage mit effizienter Wärmerückgewinnung mittels aufbereiteter Außenluft sichergestellt. Liegen im Lüftungsbetrieb die Außenlufttemperaturen über den Raumtemperaturen, schaltet sich die adiabate Abluftbefeuchtung zur Luftkühlung ein. In Abstimmung mit dem Bauherrn wird ein Luftvolumenstrom von 20 m3/(h-Person) vorgesehen. Durch eine Fensterlüftung soll diese Luftwechselrate zusätzlich unterstützt werden.

    Die vorhandenen Aufzüge werden rückgebaut und neue Aufzugsanlagen nach DIN 18040-1 als barrierefreie Förderanlage vorgesehen. Gemäß den Vorgaben aus dem vorbeugenden baulichen Brandschutz werden die Anlagen mit einer Brandfallsteuerung und einem automatischen System zur Entrauchung und Belüftung des Aufzugsschachtes ausgestattet.

    Im gesamten Gebäude werden energiesparende LED-Leuchten installiert.

     

    Tiefgaragensanierung

    Bei der zu sanierenden Tiefgarage der Berufsschule I handelt es sich um eine unterirdische Großgarage mit 4 Halbgeschossen aus dem Jahr 1978. Die Tiefgarage ist im Grundriss von einem Achsraster 8,40 x 8,40 m überzogen, welches ein einheitliches statisches System - eine kreuzweise Ausbildung von Unterzügen und Stützen - ermöglichte.  Zwischen den Gebäudeteilen wurden Fugen ausgeführt, welche die Differenzbewegungen der Gebäudeteile aufnehmen können. Es handelt sich hierbei um Verformungen aus unterschiedlichen Setzungen von Gebäudeteilen mit verschiedenen Geschosszahlen oder Einbindetiefe, aber auch um Temperaturdehnungen.

    An den tragenden Stahlbetonbauteilen der Tiefgarage sind bereits seit einigen Jahren Schäden an der Konstruktion bekannt. Im Jahr 2015 erfolgte eine Notunterstützung der Stahlbetonunterzüge der Zwischendecke im Bereich der Konsolen. Die vorhandenen Schäden in der Tiefgarage sollen im Zuge des Umbaus und der Sanierung des Beruflichen Schulzentrums Kempten als vorgezogene Teilmaßnahme instandgesetzt werden.  Es wurden vorab umfassende Bauteiluntersuchungen mit dem Ziel einer fachgerechten und angepassten Planung der vorgesehenen Instandsetzungsmaßnahmen in der Tiefgarage durchgeführt und dokumentiert.

    Durch die vorgefundenen Schäden an der Tragkonstruktion der Tiefgarage ist die Dauerhaftigkeit der Stahlbetonbauteile nicht mehr vollumfänglich gegeben, durch die vorhandenen Korrosionsschäden an den tragenden Bewehrungseisen - insbesondere an den Stützbereichen und den Konsolen - ist zudem die Standsicherheit gefährdet. Die Tiefgarage ist derzeit für die Nutzung komplett gesperrt.

    Der Bodenaufbau der Tiefgarage BS I wird komplett rück- und neu aufgebaut. Geplant ist eine Gefälle-Verbundestrich auf den Bodenplatten sowie ein 1-schichter Gussasphalt mit darunter liegender Abdichtung und Gefälleestrich auf den Zwischendecken. Befahrbare Bauteil-Fugenprofile werden vorgesehen, ebenso die Erneuerung der Schrammborde.

    Gemäß Brandschutznachweis werden die erforderlichen Brandschutzabschlüsse hergestellt. Bestehende Innentüren werden rückgebaut und durch neue Elemente ersetzt.

    In Abstimmung mit der Inklusionsbeauftragten der Stadt Kempten wird der Zugang zum Schulgebäude der BS III in der Ebene 0 der Tiefgarage I barrierefrei umgebaut.

     

    Außenanlagen

    Im Zuge der Erweiterung des Bestandbaukörpers müssen die Außenanlagen neu organisiert und den unterschiedlichen Nutzungsbedürfnissen um Rund- und Erweiterungsbau angepasst werden. Grundsätzlich lehnt sich die Gestaltung der Freianlagen an den angrenzenden Bestand an, Wegebeziehungen werden aufrechterhalten bzw. ergänzt, neue Aufenthaltsflächen geschaffen und die PKW- sowie Fahrradstellplätze umorganisiert.
    Da der Erweiterungsbau zum Großteil auf dem vorhandenen Parkplatz realisiert wird, ist eine neue Zufahrt von der Kotterner Straße zu den Stellplätzen im südlichen Grundstücksteil sowie zur neuen Tiefgarage erforderlich. Im südlichen Bereich wird ein Teil der bisherigen oberirdischen Stellplätze für PKW, Fahrräder und Motorräder angeordnet.

    Durch den Rückbau des ehemaligen Verbindungsganges zur Berufsschule I nördlich des Rundbaus kann eine neue Zuwegung zum zentralen Campusplatz und ein neuer Haupteingang geschaffen werden.

    Um den Neubau und den Rundbau wird ein adäquater und attraktiver Außenraum entwickelt, der die unterschiedlichen Nutzungsbedürfnisse und erforderliche Wegebeziehungen vereint.

    Leitgedanken der Gestaltung sind die Schaffung attraktiver und nach Nutzung differenzierter Aufenthaltsbereiche, Raumbildung durch freie und geordnete Baumpflanzungen unterschiedlicher Größe und ein differenziertes Wegesystem, das die unterschiedlichen Verbindungen, Zuwegungen und Andienungen an den Bestand berücksichtigt.

    Nördlich des Rundbaus kann durch den Rückbau des Verbindungsganges zwischen Rundbau und Tiefgarage sowie Verlegung der Container der vorhandene Platz nach Osten erweitert werden, so dass der neue Eingang des Rundbaus einen attraktive Vorzone erhält und einen behindertengerechten Zugang von der Kotterner Straße ermöglicht. Die vorhandenen Sitzstufen am zentralen Campusplatz zur oberen Ebene müssen für die neue Anbindung angepasst werden und bieten in neuer Geometrie ausreichend Platz zum Sitzen im zentralen Pausenhof. Die kleine Freifläche nördlich des Eingangs zum Verbindungsbau bietet einen schattigen und intimen Aufenthalts- und Wartebereich. Zwischen diesen beiden befestigten Aufenthaltsbereichen laden Rasen- und extensive Wiesenflächen mit lockeren Laubbaumstellungen und Sitzquadern zum Verweilen ein.

    Eine dem Café und Pausenverkauf im Rundbau vorgelagerte Terrasse aus Ortbeton mit Besenstrich, die durch Heckenkulissen und Baumpflanzungen gefasst wird, bildet einen südausgerichteten Gemeinschaftsbereich im Freien für Schüler, Lehrer und Bedienstete.

    Maxime der Vegetationsplanung ist eine dem Klimawandel geschuldete Trockenheitsresistenz und ein minimierter Pflegeaufwand.

    Die Bäume im ehemaligen Parkplatzbereich mussten für den Neubau gefällt werden. Sie werden durch Laubbäume entlang der Kotterner Straße, an den Stellplätzen und in den Grünflächen zwischen Erweiterungs- und Rundbau in entsprechender Stückzahl ersetzt. Angelehnt an den Bestand prägen Laubbaumpflanzungen und parkartig angeordnete, zum Teil mehrstämmige Solitärs das Bild der Freianlagen und definieren den Freiraum. Vielfältiger Austrieb, Blüten, Früchte und Laubfall machen die Jahreszeiten erlebbar. Einzelne Laubbaumpflanzungen mit Baumscheiben akzentuieren den Vorplatz und verbessern das Mikroklima durch Beschattung und Verdunstung.

    Flächige Kleinstrauch- und Staudenpflanzungen gliedern die Stellplatzanlagen und bilden attraktive randliche Abschlüsse. Den Nutzungen entsprechend werden die Grünflächen in Gebrauchsrasen, extensiven Wiesen und Schotterrasen angelegt.

    Das Oberflächenwasser der befestigten Flächen werden über Punkt- und Linienentwässerungen gefasst und der Versickerungsanlage unter den südlichen Stellplatzflächen zugeführt.