Neubau der Kinderkrippe Waltenhofen mit 5 Gruppen, Mittagsverpflegung und Mehrzweckraum
    Bild zum Projekt Neubau der Kinderkrippe Waltenhofen
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    Adresse:

    Plabennecstraße 7
    87488 Waltenhofen

    Auftraggeber:

    Gemeinde Waltenhofen
    Bauamt
    Rathausstraße 4
    87448 Waltenhofen

    Beauftragte Leistung:

    LPH 1-8 HOAI

    Projektzeiten:

    Planung: ab 10/2015
    Bauzeit: 08/2017 - 10/2018

    Projektgröße:

    BRI: 6.049 m3
    BGF: 1.626 m2
    NRF: 1.390 m2

    Baukosten:

    KG 300+400: 2,7 Mio € inkl. MwSt.

    Energiestandard:

    Effizienzhaus 55

    Projektbeteiligte:

    Tragwerksplanung:
    merz kley partner, Dornbirn

    Elektro-Planung:
    Elektroplanung Wohlfahrt EPW, Börwang

    HLS-Planung:
    Ingenieurbüro IBDG, Waltenhofen

    Freianlagenplanung:
    Wilhelm Müller Landschaftsarchitekt, Kempten

    Brandschutzplanung:
    Ingenieurbüro Anwander, Sulzberg

    EnEV und Bauphysik:
    Ingenieurbüro Herz & Lang, Weitnau

    Fotografie:
    Rainer Retzlaff, Niedersonthofen

    Sehr früh stand bereits fest, dass ein Holzbau mit typischer „wohngesunder“ Materialwahl, warmer Raumatmosphäre und sinnlicher Wahrnehmbarkeit konzipiert werden sollte. Das Entwurfskonzept sah vor, mit regionalem Holz arbeiten zu können. Die Auswahl aller Bauprodukte und -systeme wurde auf die Möglichkeiten der regional ansässigen Handwerksbetriebe abgestimmt. Damit sollte eine maximale Nachhaltigkeit erreicht werden: CO2-neutrale Baustoffe, kurze Transportwege, regionale Kreisläufe, Wertschöpfung und Stärkung regionaler Netzwerke sowie hohe Identifikation der Bürger mit dem Gebäude.

    Die Gemeinde hatte den Plan, eigenes Holz zu schlagen und zu verwenden. Um der regionalen Wertschöpfung eine Chance in einem öffentlichen Ausschreibungsverfahren zu geben, wurden Transport- und Anfahrtswege als Nachhaltigkeitskriterum in der Wertung der Angebote berücksichtigt. Die Gemeinde war mit dieser Art der Wertung bereit bis zu 5% mehr auszugeben als es mit einem potentiell billigsten Bieter unbedingt notwendig gewesen wäre. Diese Bereitschaft wurde belohnt, denn tatsächlich hat einfach niemand von außerhalb der Region ein Angebot abgegeben, sodass im regionalen Wettbewerb wirklich der wirtschaftlichste Bieter beauftragt werden konnte. Die Kriterien der Punktwertung waren so gewählt worden, dass alle Bieter der Region die volle Punktzahl erhalten können. Dies erfordert die Kenntnis der möglichen Sägewerke, Hobelwerke/Brettstapel-Produzenten und Zimmereibetrieben, der lokalen Akteure eben. Verschiedene Szenarien wurden durchgespielt, um zum Ergebnis zu kommen.

    Der Holzeinschlag wurde getrennt ausgeschrieben und vergeben. Das Paket ab Holzlagerplatz mit Transport zum Säger, Verarbeitung und Transport zum Holzbaubetrieb und auf die Baustelle sowie Einbau wurde durch den Holzbaubetrieb komplett angeboten. Es kam ein Betrieb aus einer Nachbargemeinde zum Zug. Die gewählten Konstruktionen und die Holzsortierung waren auf die regionalen Möglichkeiten der Materialverarbeitung und Bautechnik abgestimmt. Um möglichst große Ausbeute aus dem geschlagenen Rundholz zu erreichen, wurden die Holzqualitäten für Trag- und Sicht-Anforderungen sorgfältig untersucht und festgelegt. KVH kam im Bauvorhaben nicht zum Einsatz, das Keilzinken von Hölzern zur Verwendung in Dübelholzelementen wurde soweit möglich vermieden. Es fanden regelmäßige Ortstermine im Säge- und Hobelwerk statt, um gemeinsam mit Bauherr, Planern und Zimmerer die Holzsortierung zu besprechen.

     

    Ausgangslage und alternative Standorte

    Um den vorgeschriebenen und auch notwendigen Bedarf an Kinderbetreuungsplätzen zu decken, sollte im Hauptort Waltenhofen eine neue Einrichtung errichtet werden. In Waltenhofen existierte ein bestehender Kindergarten mit vier Gruppen, zusätzlich waren zwei bzw. seit September 2016 drei Krippengruppen provisorisch im Schulzentrum untergebracht. Das Schulzentrum wurde generalsaniert. Nach Abschluss der Baumaßnahmen mussten die Krippengruppen das Schulhaus verlassen, da der gesamte Raum für die Schulnutzung benötigt wurde.

    Zur Disposition stand Bauteil N des bestehenden Schulkomplexes, das auch zukünftig nicht für die Schulnutzung gebraucht wurde. Umbau und Sanierung desselben wurde als Alternative zum Neubau untersucht. Ebenso wurden andere Neubaustandorte untersucht, die ohne einen Abbruch von Bauteil N hätten realisiert werden können. Eine mögliche Nachnutzung von Bauteil N – wenn nicht als Kindertagesstätte – wurde mit einbezogen.

    Der Ersatzneubau hatte sich bei Gewichtung aller Erkenntnisse als die wirtschaftlichste und nachhaltigste Lösung herausgebildet, die es auch schafft, die gewünschten Qualitäten für die Kinderkrippe zu erreichen. 

     

    Ziel

    Ziel der Planung war die Schaffung einer Krippe für fünf Gruppen – 60 Kindern und einem Multifunktionsraum für Bewegung der Kinder und Nutzung durch Vereine und Gruppen zum Gesundheitssport.

    Das bestehende Bauteil N des Schulzentrums wurde dazu abgebrochen und die Schule damit in ihrem ursprünglichen Umfang wiederhergestellt. Die parkartige Anlage umfasst wieder die Schule und auch die Krippe.

    Wunsch der Bauherren war ein wertiges, nachhaltiges Gebäude in Holzbauweise unter Verwendung möglichst baubiologisch unbedenklicher Baustoffe. Es sollte durch sichtbare Holzoberflächen eine warme und geborgene Atmosphäre für die Kinder geschaffen werden.

    Als Energiestandard sollte mindestens ein Effizienzhaus 55 angestrebt werden.

     

    Baugrundstück und Topografie

    Das Baugrundstück befindet sich im Eigentum der Gemeinde.

    Die Schulgebäude liegen an einem sanften, nach Osten fallenden Hang. Der Neubau der Kinderkrippe ist im unteren Bereich des Hanges auf nahezu ebener Fläche situiert.

     

    Städtebauliche Einbindung und Erschließung

    Der Neubau steht in einem großen Feld von Gebäuden und Nutzungen des Gemeinwesens: Vereinsheim, Grund- und Mittelschule, Kindergarten, Kirche, Sportanlagen und Mehrzweckhalle. Er stellt sich in die Geometrie des Schulzentrums und der wichtigsten Erschließungsstraße, bleibt jedoch durch Dachform und Material ein Solitär in der umgebenden parkartigen Landschaft.

    Das Gebäude wird von der Plabennecstraße aus erschlossen. Bestehende Stellplätze können für die Krippe verwendet werden, für Schulen, Sport- und Versammlungsstätten sind ausreichend Stellplätze vorhanden. Die Erschließung mit Strom und Wärme erfolgt gemeinsam über die umliegenden öffentlichen Gebäude über Nahwärme. Der Ertrag der Photovoltaikanlage auf dem Dach der Krippe kommt somit auch allen Verbrauchern des Gebäudekomplexes zugute und kann fast vollständig in Eigennutzung verbraucht werden.

    Auf den Nachbargrundstücken östlich der Plabennecstraße herrscht Reihen- und Einfamilienhausbebauung vor.

     

    Gebäudekonzept

    Eine großzügige „Nut“ im Gebäude signalisiert den Eingangsbereich. Der Besucher betritt eine großzügige Eingangshalle, die gleichzeitig auch Spiel- und Wartezonen aufnimmt. Alle Gruppen- und Gemeinschaftsräume öffnen sich auf zwei Geschossen mit großformatigen Öffnungen nach Süden zum Garten. Über Loggien und eine Außentreppe kann der Garten auch aus dem Obergeschoss direkt erreicht werden. Sie erhalten somit einen gleichwertigen Bezug zum gemeinsamen Garten.  

    Der im Erdgeschoß gelegene Bewegungsraum kann über einen separaten Eingang auch von fremden Gruppen, z. B. für Vorträge oder Gesundheitssport genutzt werden. Zur Nordseite orientiert finden sich Verwaltungsräume und Speiseraum mit Küche.

    Alle Krippengruppen werden mit eigenen WC´s und Wickelräumen ausgestattet. Die Kinder können sich mit „ihrem“ Bereich bestens identifizieren und sich leicht im Gebäude orientieren.

     

    Erweiterungen

    Durch den modulartigen Aufbau des Grundrisses ist eine zukünftige Erweiterung möglich und wird vorbereitet. Konstruktion, Brandschutznachweis, Haustechnik, Stellplatznachweis und Freiraumplanung nehmen Rücksicht auf die mögliche Erweiterung.

     

    Energie- und Wärmeschutz-Standard

    Eine PV-Anlage zur Eigenstromnutzung, gute Wärmedämmung und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung rückt den Bau in die Nähe eines Passivhauses und jedenfalls bei der Bilanz der Primärenergie in den Bereich eines Plusenergiehauses.

    Eine PV-Anlage zur Eigenstromnutzung, gute Wärmedämmung und eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung rückt den Bau in die Nähe eines Passivhauses und jedenfalls bei der Bilanz der Primärenergie in den Bereich eines Plusenergiehauses.

    Tatsächlich konnte ein regionaler Kreislauf gewährleistet werden. Zu guter Letzt belebt dieses Vorgehen die regionale Wirtschaft. Wichtigster Effekt aber: Die Kinder fühlen sich wohl und die Waltenhofener Bürger identifizieren sich stark mit ihrem Gebäude aus dem Gemeindewald. Das ist der bedeutendste Mehrwert.