Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahl- / Losverfahren Neubau 3-gruppiger Kindergarten in Marktoberdorf, 2. Preis
    Bild zum Projekt Neubau 3-gruppiger Kindergarten in Marktoberdorf
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    Adresse:

    Saliterstraße 18
    87616 Marktoberdorf

    Auftraggeber:

    Stadt Marktoberdorf
    Richard-Wengenmeier-Platz 1
    87616 Marktoberdorf

    Wettbewerb:

    2. Preis - Nichtoffener Realisierungswettbewerb mit vorgeschaltetem Auswahl- / Losverfahren
    (1. Preis wurde nicht vergeben)

    Projektbeteiligte:

    Landschaftsarchitekt:
    Dauer + Hasse Büro für Landschafts-, Orts- und
    Freiraumplanung Partnerschaftsgesellschaft

     

    Städtebau und Entwurfsidee

    Das Baugrundstück liegt östlich des Naherholungsgebietes"Buchel" am Fuße eines langestreckten Moränenhügels. Die heterogene städtebauliche Umgebung besteht aus Wohnhäusern im Süden und gemischt genutzten Gebäuden im Norden und Osten. Entsprechend der Entwurfsidee öffnet sich der neue Kindergarten nach Südwesten hin zum "Buchel". Das Gebäude und die Freiflächen stellen einen klaren Bezug zur Natur und der Landschaft her. Zur Straße und der unsortierten Bebauung im Nordosten schirmt sich der L-förmige Baukörper ab.

     

    Besonnung

    Um bereits vormittags eine Besonnung der Freibereiche und Gruppenräume aus Richtung Südosten zu ermöglichen, ist der Ostflügel - im Gegensatz zum zweigeschossigen Nordflügel - nur eingeschossig konzipiert.

     

    Gebäudekonzept und Erschließung

    Der Hol- und Bringverkehr wird durch einen Kurzeitparkstreifen im Straßenraum abgewickelt. Für die Angestellten sind 5 PKW-Stellplätze und teilweise überdachte Fahrradstellplätze in Nähe des Eingangsbereiches angeordnet. Eine großzügige "Nut" im Gebäude markiert den Eingangsbereich. Der Besucher betritt über einen wettergeschützten Eingangs- und Windfangbereich eine großzügige Eingangshalle, die sogenannte Piazza, einem attraktiven Informations- und Aufenthaltsbereich. Angedacht ist eine multifunktionale, für kleinere Veranstaltungen nutzbare, Raumzone, in der sich durch Schließen und Öffnen von mobilen Wandelementen ein Elternwartebereich abtrennen oder die Cafeteria hinzuschalten lässt. Alle Gruppen- und Gemeinschaftsräume öffnen sich auf zwei Geschossen mit großflächigen Verglasungen nach Süden zum Garten. Über Loggien, den Dachgarten und eine Außentreppe kann der Spielgarten auch aus dem Obergeschoss direkt erreicht werden. Sie erhalten somit in allen Geschossen einen gleichwertigen Bezug zum gemeinsamen Garten. Die innere Erschließungsstruktur im Nordflügel ist sehr kompakt angelegt. Die Räume sind direkt angelagert an den Treppenraum. Trotz der Ausbildung eines großzügigen Spielflures im OG wird eine sehr verkehrsflächenminimierte Raumorganisation erreicht. Die Funktions- und Nebenräume sind hier auf der Nordseite ohne Ausbildung von separaten Fluren erreichbar. Das pädagogische Konzept sieht im ganzen Kindergarten sogenannte "sprechende Wände" vor. Die zur freien Bearbeitung zur Verfügung stehenden Wandflächen sorgen eine kindgerechte Auflockerung der Gestaltung und bieten Platz für Kommunikation.

     

    Hangabsicherung durch gebaute Topographie

    Das Konzept für den Garten des Kindergartens entwickelt sich aus den natürlichen Gegebenheiten heraus. Der vorhandene unbenutzbare Steilhang mit natürlichem Gehölzbestand wird durch Terrassierung zu einer gebauten Hanglandschaft umfunktioniert. Dadurch kann eine große, frei nutzbare Rasenfläche mit einzelnen Laubbäumen und einer großzügigen Spielterrasse mit Bobby-Car-Bahn hergestellt werden.Die verschiedenen großen Plateaus der Hanglandschaft beherbergen sogenannte Spieltaschen mit unterschiedlichem Angebot. Hier finden sich unter anderem ein Sandspielplatz mit Matschtisch, ein Balancierseil an zwei vorhandenen Bäumen oder aufgeschüttete, geschälte Holzstämme auf einem Fallschutzbelag aus Sand. Die vorhandene Nestschaukel kann in das Konzept gut integriert werden. Die Höhensprünge sind durch sitzstufenhohe Kanten aus Natursteinstufen und Eichenholzbalken abgesichert. Kurze Treppenläufe verbinden hierbei die themenbezogenen Spielebenen. Drei große Holzkisten in verschiedenartiger Form liegen in dem Hang verstreut. Sie bilden zum Beispiel ein von zwei Plateaus zugängliches Baumhaus oder den Beginn einer Hangrutsche. An manchen Stellen werden die Höhensprünge mit einer leichten Böschung überwunden. Hier können auf Bodenhöhe Kletterangebote hergestellt werden, wie zum Beispiel ein "Spinnennetz". In Richtung Norden zur vorhandenen Treppe grenzt eine freiwachsende Beerenhecke (Himbeere, Johannisbeeren etc.) mit einem dahinterliegenden einfachen Zaun die vorhandene Bepflanzung ab. Auf dem Dachgarten wird die Idee der Spieltaschen weitergeführt. Hier werden mit Gemüse und Obstbepflanzte, polygonale Hochbeete ausgebildet, die von den Gruppen mit den Betreuern/innen zusammen bewirtschaftet werden können. An den Rändern dieser Hochbeete sind Sitzflächen angeordnet. Die Sitzbänke bilden eine gemeinsame Mitte aus, in der die Kinder in einem "Freiluftgruppenraum" gemeinsam sich Wissen erarbeiten oder Geschichten und Erzählungen lauschen können.

     

    Materialität, Ökologie und Nachhaltigkeit

    In der Materialität präsentiert sich das Gebäude mit seiner vertikalen Holzleistenverschalung als ganzheitlich, unprätentiös und betont die Einfachheit des Gebäudes. Das Gebäude wird in Holzbauweise mit vorgefertigten Außen- und Innenwänden aus teilweise sichtbaren Dübelholzelementen und Geschossdecken aus Brettstapelelementen geplant. Dies gewährleistet eine kurze Bauzeit, regionale Wertschöpfung und eine warme Raumatmosphäre. Bei der Auswahl der Materialität ist der Augenmerk auf Robustheit, Nachhaltigkeit, Baubiologie und sinnlicher Wahrnehmung der Kinder gerichtet.

     

    Beurteilung durch das Preisgericht:

    Der L-förmige Baukörper überzeugt mit seiner klaren Ausrichtung in Richtung des Landschaftsraums. Durch die Orientierung nach Südwesten entstehen geschützte Aufenthaltsbereiche im Freiraum und gut belichtete Gruppen- und Aufenthaltsräume im Gebäude. 

    Der Eingang liegt folgerichtig als eingeschobene Gebäudenische an der nordöstlichen Grundstücksecke mit zugeordneten Stellplätzen im Bereich der nördlichen, platzartigen Aufweitung. Der Eingangsbereich mit angegliederter Cafeteria und den Einblicken in den grünen Innenhof wirkt großzügig und einladend. Die klare Gebäudestruktur und die sinnvolle Anordnung der Räume auf 2 Geschossen werden positiv bewertet. Neben- und Technikräume sind flächensparend im Untergeschoss situiert. Bemängelt wird, dass die in der Auslobung geforderte Schmutzschleuse nicht nachgewiesen und die Besuchertoilette nicht behindertengerecht ausgebildet wurden.

    Den Gruppen- und Aufenthaltsräumen sind im Außenbereich großzügige und gut nutzbare Terrassen vorgelagert. Entsprechend der Gebäudestruktur werden die geforderten Freiflächen auf Erdgeschoßebene und auf dem Flachdach des Ostriegels auf zwei Niveaus nachgewiesen. Die Organisation der Freiflächen auf zwei Ebenen wird bezüglich der Aufsicht der Kinder kritisch beurteilt. Die Modellierung des Hangs mit terrassenförmigen Spielebenen und attraktiven Einbauten und Spielgeräten in den Hang lassen eine hohe Aufenthaltsqualität im Freiraum erwarten und berücksichtigen die vorhandene Geländetopographie.

    Das Erscheinungsbild des Baukörpers mit seiner senkrechten Holzverkleidung wirkt zu wenig spezifisch für den Charakter eines Kindergartens. Der kompakte Baukörper in Holzbauweise lässt durchschnittliche Bau- und Unterhaltskosten erwarten.