Neubau eines Verwaltungsgebäudes als Erweiterung an das bestehende Landratsamt Oberallgäu in Sonthofen, Realisierungswettbewerb, 2. Preis
    Bild zum Projekt Landratsamt Oberallgäu, Sonthofen
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    Auftraggeber:

    Landkreis Oberallgäu

    Wettbewerb:

    Realisierungswettbewerb
    - 2. Preis

    Projektzeiten:

    Planung: 2007

    Projektgröße:

    BRI: 9.370 m3
    BGF: 2.800 m2

    Projektbeteiligte:

    Tragwerksplanung:
    Dr. Schütz Ingenieure, Kempten

    HLS-Planung:
    Güttinger Ingenieure, Kempten

    Freianlagenplanung:
    Realgrün Landschaftsarchitekten, München

    Städtebau

    Der vorgeschlagene Neubau schont den wertvollen Baumbestand und schließt die offene Seite der bestehenden dreiflügeligen Gebäudeanlage des Landratsamtes. Es entsteht ein ruhiger grüner Innenhof. In der Projektplanung wird der Baukörper als eigenständiges Bauvolumen über Fugen an den Bestand angeschlossen. Insbesondere durch geringe Umbauten im nördlichen Gebäudeflügel wird eine Ringerschließung des gesamten Landratsamts möglich. Kurze Wege werden auch über die Diagonalerschließung durch den Innenhof erreicht.
    Folgende Erweiterungsoptionen sind möglich: Aufstockung des nördlichen Gebäudetraktes um ein weiteres Geschoß, dadurch entsteht der durchgehende Rundgang auch im 2. Obergeschoß. Mit der städtebaulichen Erweiterung des Landratsamtes nach Osten könnte ein zweiter Innenhof entstehen.

     

    Gestaltung

    Der neue Baukörper bezieht sich mit seiner Massivkonstruktion und den Putzflächen auf die Bestandsgebäude. Die Fassaden werden jeweils mit großflächigen Intarsien strukturiert: Sie bestehen aus lärchenschindelverkleideten Fassadenelementen im Wechsel mit raumhohen Holz-Alu-Fenstern. Die Verbindungsbaukörper zwischen Neubau und Bestand können künstlerisch gestaltet werden, z.B. unter Verwendung von Wappenmotiven des Landkreises, die auf Metallgewebe oder direkt auf die Glasflächen appliziert werden. In den Büros bieten die raumhohen Fensterelemente eine hervorragende Raumqualität, natürliche Belichtung und Ausblick bei gleichzeitig hoher Funktionalität. Die Flurzonen weiten sich zwischen den farblich akzentuierten Wandflächen auf, für Bürozugänge und Sitzgelegenheiten. Durchgehende Oberlichtbänder sorgen für Weite und Licht.

     

    Haupteingang

    Ein Pflasterband aus gesägten Granitplatten verklammert den Oberallgäuer Platz mit dem Marktplatz. In Verbindung mit dem neuen ausladenden Vordach wird auch vom Oberallgäuer Platz aus die visuelle Erkennbarkeit der Adresse erreicht. Durch die Vergrößerung der Eingangshalle entsteht ein bürgerfreundlicher, kundenorientierter Bereich mit großzügiger Empfangs- und Infotheke.

     

    Freiraumkonzept

    Ziel des Freiraumkonzeptes ist die qualitative Aufwertung des Innenhofes, der in Zukunft verkehrsfrei gehalten werden soll. Die bestehenden Garagenabfahrten werden geschlossen, der Innenhof wird auf ein barrierefreies einheitliches Geländeniveau angeschüttet. Für die entfallenden Garagen im UG des Nordflügels wird im Neubau Ersatz geschaffen. Geometrisch streng formulierte Rasenflächen finden unter Berücksichtigung des Baumbestandes bei dem vorliegenden Gestaltungskonzept Verwendung. Der Baumbestand wird durch Sonderbäume (Wildbirne) ergänzt. Die Wege im Hof bestehen aus wassergebundener Wegedecke mit heller Splittabstreu. Die Gestaltung des Innenhofes als kontemplativer Aufenthaltsbereich dient der Rekreation der Nutzer des Landratsamtes. Entsprechend dieser Anforderung ist er mit großzügigen Sitzelementen ausgestattet. Überdies übernimmt er durch die Aufsicht aus den umgebenden Foyer- und Bürozonen eine bedeutende repräsentative Funktion.

     

    Stellplätze

    Im rückwärtigen Bereich vom Landratsamt, zwischen Neubau und Mühlenweg, werden unter Berücksichtigung des Baumbestands 82 Stellplätze angeordnet. Die Stellplätze werden mit Rasenpflasterung ausgeführt.

     

    Konstruktion

    Grundlage für das vorgeschlagene Konstruktionsprinzip ist die Forderung nach einer schnellen Realisierung des Gebäudes. Das Tragwerk wird deshalb aus Stahlbeton-Fertigteilen aufgebaut. Es besteht aus Stahlbeton-Wandscheiben und Spannbeton-Hohlkörperdecken. 
    Kostengünstiges, wirtschaftlich und terminlich optimiertes Bauen durch:
    - hohen Vorfertigungsgrad bei gleichzeitig hoher Qualitätssicherung - wenig Ortbetonarbeiten, dadurch geringe Baufeuchte und kurze Trocknungszeiten - witterungsunabhängige Erstellung des Rohbaus möglich - Gliedrigkeit der Decken-Elemente reduziert das Schwindmaß der Gesamtdecke, dadurch fugenlose, rissfreie Konstruktion.
    Stützenfreie Konstruktion und Leichtbau-Trennwände ermöglichen allerhöchste Flexibilität bei der Raumeinteilung. Durch das gewählte Fassadenraster können Doppelbüros durch Einfügung einer Wand jederzeit zu Einzelbüros umgewandelt werden, und umgekehrt. Durch das einfache, serielle Bauverfahren ist eine kurze Planungs- und Bauphase möglich.

     

    Energie- und Haustechnik-Konzept

    Innovatives, ökologisches Energiekonzept mit der ganzheitlichen Aufgabe, das Gebäude im Winter- und Sommerfall zu temperieren und ganzjährig zu belüften und zu entlüften. Wärmeerzeugung durch Anschluss an die vorhandene Fernwärmeversorgung. Brauchwassererwärmung dezentral mittels hocheffizientem Elektro-Durchlauferhitzer. Raumtemperierung im Winter mittels System-Heizdecke in Deckenputzschicht. Raumtemperierung im Sommer mit Umkehrung der Heizdecke als Kühldecke, ökologische Kühlwassererzeugung zur Raumkühlung mittels Grundwassernutzung. 
    Raumlufttechnik: Zentrales Lüftungsgerät mit hocheffektiver Wärmerückgewinnung. Die Zuluft-Einbringung erfolgt zug- und geräuschfrei über Quellluftauslässe im Fußboden. Der einfache Hohlraum-Druckboden mit konventionellem Trockenestrich-Aufbau ermöglicht eine wirtschaftliche Verteilung der Zuluft ohne Kanäle. Abluftabsaugung im Bereich der Trennwand zum Flur. Im Sommer wird die Zuluft mittels Grundwassernutzung gekühlt. Energetisch und hygienisch sinnvolle Kombination von Heizen, Lüftung, Kühlen mit größtmöglicher Ausnutzung der inneren Wärmelasten für die Wärmerückgewinnung. Für die Nutzer des Gebäudes ergeben sich äußerst angenehme klimatische Bedingungen, die Ergonomie positiv beeinflussen. Der Energieverbrauch kann gegenüber einer konventionellen Anlagentechnik um ca. 45 % gesenkt werden. Reduzierung der CO2-Schadstoffemission um ca. 55 t / a. Die horizontale elektrotechnische Versorgung erfolgt über ein jederzeit zugängliches und nachinstallierbares Fußboden-Kanalsystem durchgehend entlang der Außenwände. 

     

    Veröffentlichung

    Wettbewerbe Aktuell 09/2007