2-geschossiger Neubau einer 5-gruppigen Kindertagesstätte Loreto in Tettnang
    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
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    Auftraggeber:

    AG Passivhaus AG, Immenstadt als Generalübernehmer
    Bauherr: Stadt Tettnang

    Wettbewerb:

    Zuschlag nach GÜ-Verhandlungsverfahren als Unterauftragnehmer, 1. Rang

    Beauftragte Leistung:

    Objektplanung LPH 1-7 HOAI, LPH 8 künstlerische Bauoberleitung

    Projektzeiten:

    Planung seit 06/2019
    Baubeginn vorauss. 03/2021

    Projektgröße:

    BGF: 2.354 m2
    BRI: 9.096 m3
    NUF: 1.382 m2

    Baukosten:

    Kostenberechnung (KG 300+400): 4,6 Mio. € inkl. MwSt.

    Energiestandard:

    KfW-Effizienzhaus 55, mit Anforderung an KfW-Effizienzhaus 40 Plus bzgl. Primärenergiebedarf

    Projektbeteiligte:

    Tragwerksplanung:
    Merz, Kley und Partner GmbH, Dornbirn

    HLS-Planung / Elektro-Planung:
    TGA Bodensee GmbH, Markdorf

    EnEV, Bauphysik, Schallschutz:
    Bernhard Weithas GmbH, Lauterach

    Brandschutzplanung:
    Anwander GmbH & Co. KG, Sulzberg

    Architektur und Städtebau

    Die zentrale Entwurfsidee basiert auf einer sensiblen städtebaulichen Einordnung des neuen Bauvolumens und der Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange im Kontext zum Kulturdenkmal Loretokapelle. Damit die Neubebauung nicht in Konkurrenz zur Loretokapelle tritt, wurde der Baukörper in größtmöglichem Abstand zur Kapelle platziert. In der optischen Fernwirkung bleibt die Kapelle freigestellt, die dominanten Blickachsen entlang der Loretokapelle bleiben erhalten. Die Gestaltung des neuen Baukörpers greift das Motiv des, eines Kerngebäudes umgebenden, offenen Prozessionsumgangs mit äußeren, auf einer Brüstungsmauer ruhenden Säulen der Kapelle, auf und überträgt es in eine moderne architektonische Formensprache. Die aus der klaren Kubatur des Gebäudes ausgeschnittenen Zugangs-, Terrassen- und Balkonbereiche sind dreiseitig arkadenartig als Umgang mit Lärchenholzstützen gefasst und gliedern das Volumen in angemessene Proportionen.
    Die Baukörperanordnung, die Verwendung von natürlichen und robusten Materialien (Lärchenholzfassaden in Verbindung mit dem robusten Sichtbetonsockel kombiniert mit großzügigen Verglasungen) gewährleisten nicht nur einen würdigen Umgang mit dem Kulturdenkmal, sondern schaffen ein Haus mit Kinder-, Wohn- und Baukultur. Das langgezogene Baugrundstück ist in drei Nutzungsbereiche gegliedert: den Zugangsplatz um die Kapelle, den zentralen zweigeschossigen Baukörper und einen Gartenbereich im Südwesten. Durch die kompakte Bauform der Kindertagesstätte wird die Inanspruchnahme des Bodens beschränkt. Die Versiegelung der Freianlagen wird auf ein Mindestmaß reduziert. Das Gebäude bildet einen schützenden Rücken nach Nordwesten aus und öffnet sich nach drei Seiten hin zu den angrenzenden Freibereichen. Alle Gruppenräume grenzen direkt an Spielterrasse bzw. -balkon. Der Außenbereich kann von diesen direkt erreicht werden. Bodentiefe Verglasungen erlauben einen direkten Innen-Außenbezug und schaffen eine sehr hohe Aufenthaltsqualität.

     

    Erschließung und Stellplätze

    Die Wege- und Verkehrsführung über den Vorplatz ist einfach und funktionell organisiert. Trotz der kompakten Organisation ist eine Entflechtung der Verkehrsströme, wie fußläufiger Kita-Zugang und Andienung der Kfz-Stellplätze respektive des täglichen Bring- und Abholverkehrs der Kurzzeitstellplätze, gewährleistet. Der Platz bietet zudem genügend Raum für Fahrrad- und Kinderwagenabstellmöglichkeiten. Der Haupteingang ist durch den Gebäudeeinschnitt betont und leicht auffindbar. In direktem Bezug zum zentralen, großzügig überdachten Eingang sind sechs Stellplätze für Personal und Anlieferung angeordnet. Weitere drei Kurzzeitstellplätze sind entlang des Fußgängerzugangs parallel zur nördlichen Grundstücksgrenze platziert. Die direkte Anlieferung an die Küche und der separate Zugang zum Elternraum sind direkt vom Loretoplatz aus möglich. Der Kinderwagenraum ist direkt zugänglich, auch vom Freien im überdachten Eingangsbereich.

     

    Funktionalität und Grundriss

    Grundlage für den Entwurf ist das Funktionsschema und maximale Umsetzung der funktionalen Vorgaben und Beziehungen des teiloffenen pädagogischen Konzeptes der Kindertagesstätte Loreto. Innerhalb des Gebäudes ist eine einfache und klar strukturierte Wegeführung angelegt, die eine leichte Orientierung ermöglicht. Durch die Aufteilung des Krippenbereiches U3 im Erdgeschoss und des Kindergartenbereichs Ü3 im Obergeschoss auf zwei Ebenen, wird jedem Bereich ein eigener Nutzungscluster zugewiesen.

    Der Haupteingang erfolgt über den Windfang, der als kontrollierte Zugangsschleuse fungiert, in das Foyer. Von hier aus führt eine Treppe und ein Aufzug in das Obergeschoss. Direkt dem Eingang zugeordnet befindet sich der Eltern- und Personalbereich. Der Ü3-Essensbereich kann durch den Raum für die Eltern mittels Schiebetüren zu einer Veranstaltungsfläche erweitert werden, so dass für Festlichkeiten ein großzügiger Raumzusammenhang entsteht.
    Spielflure mit Aufweitungen im Bereich der Garderoben dienen als zentrale Erschließungs- und Kommunikationszone und werden durch Oberlichter bzw. Verglasungen zu den angrenzenden Nutzungseinheiten natürlich belichtet. Die Glasflächen schaffen eine großzügige Raumatmosphäre und den Blickkontakt zu den Aufenthaltsräumen. In allen Hauptaufenthaltsräumen ermöglichen bodentiefe Fenster bzw. niedrige Brüstungen den direkten Blickbezug für die Kinder nach außen.

    Den Krippenaufenthaltsräumen im Erdgeschoss ist je ein Schlafraum und ein Kleingruppenraum sowie ein gemeinsamer Sanitärraum direkt angegliedert. Auf der anderen Seite des Spielflures liegen der Bewegungsraum und der U3-Essplatz mit Kinderküche in unmittelbarer Nähe. Der Garten ist direkt ebenerdig auf der Südseite und über eine Schmutzschleuse auf der Südwestseite angeschlossen.
    Im Obergeschoss befinden sich die Gruppenräume mit Orientierung zum überdeckten Spielbalkon. Bodentiefe Fenster und ein filigranes Stahlgeländer erlauben den Kindern den Blickbezug zur Loggia. Über eine zentrale Schmutzschleuse für Matschkleidung mit Nähe zum WC und eine Außentreppe ist der Spielgarten auf kurzem Wege erreichbar. Der zentrale Flur erschließt auch Räume für spezifische Bildungsfunktionen sowie die Schlaf- und Personalräume auf der nordwestlichen Gebäuderückseite.

     

    Konstruktion und Tragwerk

    Das Gebäude wird als Holzbau auf einer Stahlbetonbodenplatte erstellt. Im nordwestlichen Gebäudebereich ist ein Untergeschoss aus Stahlbeton aus vorgefertigten Halbfertigteilen aus Doppel- und Thermowänden mit beidseitigen Sichtbetonoberflächen in WU-Bauweise konzipiert.
    Die Gründung erfolgt nach den statischen Erfordernissen über eine tragende Stahlbeton-Fundamentplatte und Fundamentstreifen als Frostschürze im nichtunterkellerten Bereich sowie duktile Gusspfähle zur Tiefgründung bis auf den tragfähigen Grund.

    Das statische System des Holzbaus besteht aus tragenden Außenwänden und tragenden Längswänden. Querwände werden nach statischen Erfordernissen zur Aussteifung des Gebäudes als tragende Elemente herangezogen. Dies ermöglicht eine hohe Anpassungsfähigkeit der Gebäudekonzeption, weil in vielen Bereichen die inneren Wände für Änderungen in Nutzungsart und Intensität flexibel bleiben können.
    Durch die Anordnung des Gebäudes und die konstruktive Berücksichtigung ist eine spätere Erweiterungsmöglichkeit der Kindertagesstätte möglich.

    Das Gebäude wird in Holzelementbauweise als Holzständerbau errichtet, so dass ein hoher Vorfertigungsgrad zur wirtschaftlichen Optimierung der Konstruktion und optimierter Bauzeit erzielt werden kann. Die Decken über dem Erdgeschoss sind als massive Brettsperrholzdecken geplant. Das Dach wird als Holzbalkendecke ausgeführt. Die Holzbauweise mit vollständig ökologischen, nachhaltigen, nachwachsenden Baustoffen garantiert eine rasche Bauweise und reduzierte Baufeuchte.

     

    Gebäudehülle und Energiekonzept

    Das Gebäude soll nach den Anforderungen des AG im Energiestandard des KfW-Effizienzhaus 55 geplant werden. Die in der Auslobung formulierten Mindestanforderungen an die Gebäudehülle und den Primärenergiebedarf werden im vorliegenden Entwurf übererfüllt. Ein Energiestandard KfW-Effizienzhaus 40 Plus liegt im Bereich des Möglichen. Zusätzlich ist eine PV-Eigenstromanlage auf dem extensiv begrünten Flachdach vorgesehen. Die Außenwände werden entsprechend dem energetischen Standard mit Holzweichfaser bzw. Holzfasern gedämmt, um die Energieverluste zu minimieren. Eine vorgehängte, hinterlüftete Holzfassade ist auf dem äußeren Kubus mit unbehandelter Lärche, in den ausgeschnittenen Terrassen- und Balkonbereichen mit wartungsfreiem Vorvergrauungsanstrich auf Leinölbasis vorgesehen. Dies garantiert ein einheitliches Verwitterungsbild und eine ökologische Unbedenklichkeit der Fassade. Die Fenster sind als Holz-Alu-Fenster mit Dreifachverglasung konzipiert und mit außen liegenden Raffstorelamellen zur Verschattung ausgestattet. Die Geländer am Spielbalkon und den Fluchttreppen werden als verzinkte Flachstahlstabgeländer ausgebildet.

    Die großflächigen Verglasungen in Verbindung mit den weiten Deckenauskragungen an den Südseiten ermöglichen eine gute natürliche Belichtung der Räume und solare Energiegewinne insbesondere in den Wintermonaten bei flach stehender Sonne.
    Das Gebäude wird mit regenerativer Energie - einer Luftwärmepumpe - beheizt, . Die massiven Holzdecken und in die mit Holzfaserdämmung gefüllten Holzständerwände sowie einzelne massive Holzwände und die Estrichaufbauten gewährleisten ausreichende Speichermassen zur Vermeidung von sommerlichen Überhitzungen. Bei Bedarf werden Maßnahmen zur freien Nachtkühlung bzw. -lüftung vorgesehen. In allen Aufenthaltsräumen sind Fenster zur freien Lüftung vorhanden.

    Als grundsätzliche Komponenten im Energiekonzept sind folgende Bausteine geplant: Wärmeerzeugung durch Luftwärmepumpe, Eigenstrom-PV-Anlage, Fußbodenheizung und mechanische Lüftungsanlagen mit effizienter Wärmerückgewinnung. In Verbindung mit passiven Sonnenschutzmaßnahmen an Fensterflächen können im Betrieb Temperaturen über 26°C (mit Ausnahmen außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen) ausgeschlossen und die Grenzwerte der max. CO2-Konzentrationen eingehalten werden. Es wird keine aktive Kühlung benötigt. Alle Räume, außer Technik-, Putz- und Lagerräumen, werden mit einer Fußbodenheizung ausgestattet.

     

    Brandschutzkonzept

    Das Gebäude kann aufgrund der Gebäudeklasse 3 feuerhemmend als Holzbau errichtet werden. Das Kellergeschoss ist feuerbeständig auszuführen. Das Gebäude wird schutzzielorientiert in zwei Teilnutzungseinheiten unterteilt. Dadurch ergeben sich brandschutztechnische Bereiche von ca. 400 m2. Im Bereich der Eingangshalle wird der Treppenaufgang dem OG zugeschlagen. Hier ergibt sich eine Teilnutzung von ca. 600 m2. In Verbindung mit der Brandwarnanlage und der unabhängigen Sicherheitsbeleuchtung bestehen hier keine Bedenken bzgl. des Personenschutzes.

    Für das Gebäude sind grundsätzlich zwei bauliche Rettungswege vorhanden. Die vereinzelten Aufenthaltsräume für Kinder, ohne direkten Zugang ins Freie oder Fluchtbalkon, verfügen über eine Sichtverbindung. Darüber hinaus ist über die Brandwarnanlage eine frühzeitige Alarmierung sichergestellt. Für das Gebäude ist eine Brandwarnanlage nach DIN VDE V 0826 vorgesehen. Außerdem ist eine Sicherheitsbeleuchtung in den allgemeinen Fluren, Halle und Treppen erforderlich. Die ‚offene Halle‘ in EG und OG wird schutzzielorientiert mit einer Rauchgasableitung ausgestattet.
     

    Außenanlagen

    Die Kindertagesstätte ist über einen als Vorplatz gestalteten Eingangsbereich erschlossen. Die Wiederherstellung eines einladenden Platzes rund um die Loretokapelle mit offenporigem Plattenbelag bildet einen attraktiven Empfangsbereich zur neuen Kindertagesstätte und für die Besucher und Pilger der Kapelle. Die störenden neuzeitlichen Betonsteinstützwände, welche die Kapelle zweiseitig umschließen, werden zurückgebaut. Die Gärten der angrenzenden Nachbarbebauungen werden analog dem historischen Vorbild mit Obstspalierhecken abgeschirmt.

    Der Vorbereich bietet ausreichend Fahrradstellplätze sowie angrenzend zentral angeordnete PKW-Stellplätze mit direkter Fußweganbindung zum Haupteingang. Südöstlich des Gebäudes befindet sich der externe Gartenzugang. Die Pflegezufahrt zum Garten ist nordwestlich vom Gebäude konzipiert. Hier ist auch eine unauffällige, aber leicht zugängliche Anordnung der Müllsammelstation als Anbau zur Nachbargarage angedacht.
    Die Außenspielfläche gliedert sich in den U3-Krippen- und Ü3-Kindergartenbereich. Der Baumbestand im südwestlichen Teil des Gartens wird größtenteils erhalten, so dass ein natürlich beschatteter Spielbereich unter Bäumen entsteht. Befestigte Verbindungswege zum Befahren, Erkunden und Laufenlernen führen zu den Spielbereichen. Beschattete Bänke an den Erschließungswegen laden zum Sitzen ein.

    Der Ü3-Bereich mit Kinderschaukeln und dem zentralen Spielhügel mit Hangrutsche, Kletterlandschaft mit Aussichtsturm und Spielhaus wird vom U3-Bereich durch einen Erdwall halboffen abgegrenzt. Im U3-Bereich sind Kleinkinder- und Nestschaukeln sowie eine Rundstrecke für Bobbycar-Rennen platziert. In dem mit Bachsteinen eingefassten Sandspielbereich mündet ein mit flachen Steinen ausgekleideter Matschbach, in dem von einer Schwengelpumpe das Wasser in den Matschspielbereich fließt. Hochbeete und ein Gemüse- und Kräuterbeet bieten vielfältige Möglichkeiten für das Gärtnern mit den Kindern. Zur Bewässerung kann das gespeicherte Regenwasser aus der Zisterne verwendet werden. Der gesamte Garten ist durch einen Zaun eingefriedet und durch Obstspaliere eingegrünt. Entlang der Zaunabgrenzungen werden Retentionsmulden angelegt.

    Wegen der geplanten möglichen Erweiterung wurden die Wege und Spielgeräte in der Überarbeitung so angeordnet, dass eine Erweiterung ohne Komplettumbau der Spielflächen erreichtet werden kann.
    Das Flachdach der Kindertagesstätte erhält ein extensives Gründach zur Pufferung des Regenwassers und zur Minimierung der versiegelten Flächen auf dem Kindergartengelände.