2-geschossiger Neubau einer 5-gruppigen Kindertagesstätte Loreto in Tettnang

    Adresse:

    Loretostraße 18

    88069 Tettnang

    Auftraggeber:

    AG Passivhaus, Immenstadt als Generalübernehmer

    Bauherr: Stadt Tettnang

    Wettbewerb:

    Zuschlag nach GÜ-Verhandlungsverfahren als Unterauftragnehmer, 1. Rang

    Beauftragte Leistung:

    Objektplanung LPH 1-7 HOAI, LPH 8 künstlerische Bauoberleitung

    Projektzeiten:

    Planung seit 06/2019

    Bauzeit 03/2021 bis 03/2022

    Projektgröße:

    BGF: 2.354 m2

    BRI: 9.096 m3

    NUF: 1.382 m2

    Baukosten:

    Kostenberechnung (KG 300+400): 4,6 Mio. € inkl. MwSt.

    Energiestandard:

    KfW-Effizienzhaus 55, mit Anforderung an KfW-Effizienzhaus 40 Plus bzgl. Primärenergiebedarf

    Projektbeteiligte:

    Tragwerksplanung:

    Merz Kley Partner GmbH, Dornbirn

     

    HLS-Planung / Elektro-Planung:

    TGA Bodensee GmbH, Markdorf

     

    EnEV, Bauphysik, Schallschutz:

    Bernhard Weithas GmbH, Lauterach

     

    Brandschutzplanung:

    Anwander GmbH & Co. KG, Sulzberg

     

    Fotografie:

    Rainer Retzlaff, Niedersonthofen

    Erläuterungen zum Entwurfskonzept 
    Architektur und Städtebau

    Die zentrale Entwurfsidee basiert auf einer sensiblen städtebaulichen Einordnung des neuen Bauvolumens und der Berücksichtigung der denkmalpflegerischen Belange im Kontext zum Kulturdenkmal Loretokapelle. Damit die Neubebauung nicht in Konkurrenz zur Loretokapelle tritt, wurde der Baukörper in größtmöglichem Abstand zur Kapelle platziert. In der optischen Fernwirkung bleibt die Kapelle freigestellt, die dominanten Blickachsen entlang der Loretokapelle bleiben erhalten. Die Gestaltung des neuen Baukörpers greift das Motiv des ein Kerngebäude umgebenden, offenen Prozessionsumgangs mit äußeren, auf einer Brüstungsmauer ruhenden Säulen der Kapelle, auf und überträgt es in eine moderne architektonische Formensprache. Die aus der klaren Kubatur des Gebäudes ausgeschnittenen Zugangs-, Terrassen- und Balkonbereiche sind dreiseitig arkadenartig als Umgang mit Lärchenholzstützen gefasst und gliedern das Volumen in angemessene Proportionen. Die Baukörperanordnung, die Verwendung von natürlichen und robusten Materialien (Lärchenholzfassaden in Verbindung mit dem robusten Sichtbetonsockel, kombiniert mit großzügigen Verglasungen) gewährleisten nicht nur einen würdigen Umgang mit dem Kulturdenkmal, sondern schaffen ein Haus mit Kinder-, Wohn- und Baukultur. Das langgezogene Baugrundstück ist in drei Nutzungsbereiche gegliedert: den Zugangsplatz um die Kapelle, den zentralen zweigeschossigen Baukörper und einen Gartenbereich im Südwesten. Durch die kompakte Bauform der Kindertagesstätte wird die Inanspruchnahme des Bodens beschränkt. Die Versiegelung der Freianlagen wird auf ein Mindestmaß reduziert. Das Gebäude bildet einen schützenden Rücken nach Nordwesten aus und öffnet sich nach drei Seiten hin zu den angrenzenden Freibereichen. Alle Gruppenräume grenzen direkt an Spielterrasse bzw. -balkon. Der Außenbereich kann von diesen direkt erreicht werden. Bodentiefe Verglasungen erlauben einen direkten Innen-Außen-Bezug und schaffen eine sehr hohe Aufenthaltsqualität.


    Erschließung und Stellplätze
    Die Wege- und Verkehrsführung über den Vorplatz ist einfach und funktionell organisiert. Trotz der kompakten Organisation ist eine Entflechtung der Verkehrsströme, wie fußläufiger Kita-Zugang und Andienung der Kfz-Stellplätze respektive des täglichen Bring- und Abholverkehrs der Kurzzeitstellplätze, gewährleistet. Der Platz bietet zudem genügend Raum für Fahrrad- und Kinderwagenabstellmöglichkeiten. Der Haupteingang ist durch den Gebäudeeinschnitt betont und leicht auffindbar. In direktem Bezug zum zentralen, großzügig überdachten Eingang sind fünf Stellplätze für Personal und Anlieferung angeordnet. Weitere drei Kurzzeitstellplätze sind entlang des Fußgängerzugangs parallel zur nördlichen Grundstücksgrenze platziert. Die direkte Anlieferung an die Küche und der separate Zugang zum Elternraum sind direkt vom Loretoplatz aus möglich. Der Kinderwagenraum ist vom Windfang im Eingangsbereich aus direkt zugänglich.


    Funktionalität und Grundriss
    Grundlage für den Entwurf ist das Funktionsschema und die maximale Umsetzung der funktionalen Vorgaben und Beziehungen des teiloffenen pädagogischen Konzeptes der Kindertagesstätte Loreto. Innerhalb des Gebäudes ist eine einfache und klar strukturierte Wegeführung angelegt, die eine leichte Orientierung ermöglicht. Durch die Aufteilung des Krippenbereiches U3 im Erdgeschoss und des Kindergartenbereichs Ü3 im Obergeschoss auf zwei Ebenen, wird jedem Bereich ein eigener Nutzungscluster zugewiesen.
    Der Haupteingang erfolgt über den Windfang, der als kontrollierte Zugangsschleuse fungiert, in das Foyer. Von hier aus führt eine Treppe und ein Aufzug in das Obergeschoss. Direkt dem Eingang zugeordnet befindet sich der Eltern- und Personalbereich. Der Ü3-Essensbereich mit offener Küche für Kinder und Eltern kann durch den Raum für die Eltern mittels Faltwandelement zu einer Veranstaltungsfläche erweitert werden, so dass für Festlichkeiten ein großzügiger Raumzusammenhang entsteht. Spielflure mit Aufweitungen im Bereich der Garderoben dienen als zentrale Erschließungs- und Kommunikationszone und werden durch Oberlichter bzw. Verglasungen zu den angrenzenden Nutzungseinheiten natürlich belichtet. Die Glasflächen schaffen eine großzügige Raumatmosphäre und den Blickkontakt zu den Aufenthaltsräumen. In allen Hauptaufenthaltsräumen ermöglichen bodentiefe Fenster bzw. niedrige Brüstungen den direkten Blickbezug für die Kinder nach außen.
    Den Krippenaufenthaltsräumen im Erdgeschoss ist je ein Schlafraum und ein Kleingruppenraum sowie ein gemeinsamer Sanitärraum direkt angegliedert. Auf der anderen Seite des Spielflures liegen der Bewegungsraum und der U3-Essplatz in unmittelbarer Nähe. Der Garten ist direkt ebenerdig auf der Südseite und über eine Schmutzschleuse auf der Südwestseite angeschlossen. Im Obergeschoss befinden sich die Gruppenräume mit Orientierung zum überdeckten Spielbalkon. Bodentiefe Fenster und ein filigranes Stahlgeländer erlauben den Kindern den Blickbezug zur Loggia. Über eine zentrale Schmutzschleuse für Matschkleidung mit Nähe zum WC und eine Außentreppe ist der Spielgarten auf kurzem Wege erreichbar. Der zentrale Flur erschließt auch Räume für spezifische Bildungsfunktionen sowie die Schlaf- und Personalräume auf der nordwestlichen Gebäuderückseite. 
     
    Konstruktion und Tragwerk
    Das Gebäude wurde als Holzbau auf einer Stahlbetonbodenplatte erstellt. Im nordwestlichen Gebäudebereich ist ein Untergeschoss aus Stahlbeton mit beidseitigen Sichtbetonoberflächen konzipiert. Die Gründung erfolgte nach den statischen Erfordernissen über eine tragende Stahlbeton-Fundamentplatte und Fundamentstreifen als Frostschürze im nichtunterkellerten Bereich sowie duktile Gusspfähle zur Tiefgründung bis auf den tragfähigen Grund.
    Das statische System des Holzbaus besteht aus tragenden Außenwänden und tragenden Längswänden. Querwände werden nach statischen Erfordernissen zur Aussteifung des Gebäudes als tragende Elemente herangezogen. Dies ermöglicht eine hohe Anpassungsfähigkeit der Gebäudekonzeption, weil in vielen Bereichen die inneren Wände für Änderungen in Nutzungsart und Intensität flexibel bleiben können. Durch die Anordnung des Gebäudes und die konstruktive Berücksichtigung ist eine spätere Erweiterung der Kindertagesstätte möglich.
    Das Gebäude wurde in Holzelementbauweise als Holzständerbau errichtet, so dass ein hoher Vorfertigungsgrad zur wirtschaftlichen Optimierung der Konstruktion und optimierter Bauzeit erzielt werden konnte. Die Decken über dem Erdgeschoss sind massive Brettsperrholzdecken. Das Dach wurde als Holzbalkendecke ausgeführt. Die Holzbauweise mit vollständig ökologischen, nachhaltigen, nachwachsenden Baustoffen garantierte eine rasche Bauweise und reduzierte Baufeuchte.


    Gebäudehülle und Energiekonzept
    Das Gebäude sollte nach den Anforderungen des AG im Energiestandard des KfW-Effizienzhaus 55 geplant werden. Die in der Auslobung formulierten Mindestanforderungen an die Gebäudehülle und den Primärenergiebedarf wurden in der Umsetzung übererfüllt. Zusätzlich wurde eine PV-Eigenstromanlage auf dem extensiv begrünten Flachdach errichtet. Die Außenwände werden entsprechend dem energetischen Standard mit Holzweichfaser bzw. Holzfasern gedämmt, um die Energieverluste zu minimieren. Eine vorgehängte, hinterlüftete Holzfassade aus unbehandelter Lärche ist auf dem äußeren Kubus in geschuppten Elementen, in den ausgeschnittenen Terrassen- und Balkonbereichen als senkrecht stehende Schalung verbaut. Dies garantiert eine ökologische Unbedenklichkeit der Fassade und lange Haltbarkeit durch natürliche Vergrauung. Die Fenster sind als Holz-Alu-Fenster mit Dreifachverglasung konzipiert. Textile Senkrechtmarkisen in der äußeren Balkonebene dienen der Verschattung. Die Geländer am Spielbalkon und den Fluchttreppen sind als verzinkte Flachstahlstabgeländer ausgebildet.
    Die großflächigen Verglasungen in Verbindung mit den weiten Deckenauskragungen an den Südseiten ermöglichen eine gute natürliche Belichtung der Räume und solare Energiegewinne insbesondere in den Wintermonaten bei flach stehender Sonne. Das Gebäude wird mit regenerativer Energie - einer Luftwärmepumpe - beheizt. Die massiven Holzdecken und in die mit Holzfaserdämmung gefüllten Holzständerwände sowie einzelne massive Holzwände und die Estrichaufbauten gewährleisten ausreichende Speichermassen zur Vermeidung von sommerlichen Überhitzungen. Bei Bedarf werden Maßnahmen zur freien Nachtkühlung bzw. -lüftung vorgesehen. In allen Aufenthaltsräumen sind Fenster zur freien Lüftung vorhanden.
    Als grundsätzliche Komponenten im Energiekonzept wurden folgende Bausteine geplant: Wärmeerzeugung durch Luftwärmepumpe, Eigenstrom-PV-Anlage, Fußbodenheizung und mechanische Lüftungsanlagen mit effizienter Wärmerückgewinnung. In Verbindung mit passiven Sonnenschutzmaßnahmen an Fensterflächen können im Betrieb Temperaturen über 26°C (mit Ausnahmen außergewöhnlichen Witterungsverhältnissen) ausgeschlossen und die Grenzwerte der max. CO2-Konzentrationen eingehalten werden. Es wird keine aktive Kühlung benötigt. Alle Räume, außer Technik-, Putz- und Lagerräumen, werden mit einer Fußbodenheizung ausgestattet. 


    Außenanlagen 
    Die Kindertagesstätte ist über einen als Vorplatz gestalteten Eingangsbereich erschlossen. Die Wiederherstellung eines einladenden Platzes rund um die Loretokapelle mit offenporigem Plattenbelag bildet einen attraktiven Empfangsbereich zur neuen Kindertagesstätte und für die Besucher und Pilger der Kapelle. Die Gärten der angrenzenden Nachbarbebauungen werden analog dem historischen Vorbild mit Obstspalierhecken abgeschirmt. 
    Der Vorbereich bietet ausreichend Fahrradstellplätze sowie angrenzend zentral angeordnete PKW-Stellplätze mit direkter Fußweganbindung zum Haupteingang. Südöstlich des Gebäudes befindet sich der externe Gartenzugang. Hier ist auch eine unauffällige, aber leicht zugängliche Müllsammelstation angeordnet. Die Pflegezufahrt zum Garten ist nordwestlich vom Gebäude konzipiert. Die Außenspielfläche gliedert sich in den U3-Krippen- und Ü3-Kindergartenbereich. Der Baumbestand im südwestlichen Teil des Gartens wird größtenteils erhalten, so dass ein natürlich beschatteter Spielbereich unter Bäumen entsteht. Befestigte Verbindungswege zum Befahren, Erkunden und Laufenlernen führen zu den Spielbereichen. Beschattete Bänke an den Erschließungswegen laden zum Sitzen ein.
    Der Ü3-Bereich mit Kinderschaukeln und dem zentralen Spielhügel mit Hangrutsche, Kletterlandschaft mit Aussichtsturm und Spielhaus wird vom U3-Bereich durch einen Erdwall halboffen abgegrenzt. Im U3-Bereich sind Kleinkinder- und Nestschaukeln sowie eine Rundstrecke für Bobbycar-Rennen platziert. An dem mit Bachsteinen eingefassten Sandspielbereich ist eine Schwengelpumpe angeordnet, von der aus das Wasser über eine Rinne in den Matschspielbereich fließt. Hochbeete und ein Gemüse- und Kräuterbeet bieten vielfältige Möglichkeiten für das Gärtnern mit den Kindern. Der gesamte Garten ist durch einen Zaun eingefriedet und durch eine Hainbuchenhecke eingegrünt. Im unteren Gartenbereich wurde eine durch den Zaun abgetrennte Retentionsmulde angelegt.
    Wegen der geplanten möglichen Erweiterung wurden die Wege und Spielgeräte in der Überarbeitung so angeordnet, dass eine Erweiterung ohne Komplettumbau der Spielflächen erreichtet werden kann. Das Flachdach der Kindertagesstätte erhält ein extensives Gründach zur Pufferung des Regenwassers und zur Minimierung der versiegelten Flächen auf dem Kindergartengelände.

    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
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    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
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    Bild zum Projekt Kindertagesstätte Loreto, Tettnang
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