Neubau eines 5-geschossigen Mehrfamiliengebäudes mit 66 Eigentumswohnungen und Tiefgarage im künftigen "Eichquartier" in Nürnberg

    Adresse:

    Herta-Künzel-Straße
    90471 Nürnberg

    Auftraggeber:

    wbg Nürnberg GmbH

    Beauftragte Leistung:

    LPH 1-5 HOAI

    Projektzeiten:

    Planungsbeginn 10/2018

    Projektgröße:

    66 Eigentumswohnungen
    2 Tiefgaragen
    BRI gesamt: 33.000 m3

    Projektbeteiligte:

    Tragwerksplanung: Valentin Maier Bauingenieure AG, Erlangen
    TGA-Planung: Ingenieurteam Plansache GmbH, Schwabach
    Landschaftsarchitektur: Freiraumplanung Mrachacz, Nürnberg
    Bauphysik-Schallschutz: Horstmann + Berger, Altensteig
    Brandschutz: Anwander-Waldmann GmbH & Co. KG, Sulzberg

    Städtebau

    Mit dem Neubau des Langwasserbades im Norden des Grundstücks Ecke Breslauer Straße und Gleiwitzer Straße hat sich für die Stadt Nürnberg die Möglichkeit der Entwicklung eines neuen Wohngebietes auf dem 4,2 Hektar großen ehemaligen Hallen- und Freibad-Gelände geboten.

    Der dem Bebauungsplan zugrundeliegende städtebauliche Entwurf von Kuppler Sedlak Architekten reagiert einerseits auf die starken Lärmbelastungen insbesondere von der Breslauer Straße her. Zum anderen wird ein weitgehender Erhalt und Schutz des parkähnlichen Baumbestandes angestrebt.

    Im neuen sogenannten „Eichquartier“ sollen Wohnbauflächen mit einer Mischung aus verdichteter Einfamilienhausbebauung und Geschosswohnungsbau entstehen. Der 145m lange und 4 bis 5-geschossige geknickte Baukörper bildet einen kräftigen, schallabschirmenden Rücken für die weitere Wohnbebauung im Südosten. Gleichzeitig entsteht an der Breslauer Straße durch den 5-geschossigen Hochpunkt ein städtebauliches Zeichen als Auftakt für das neue Quartier.

     

    Entwurf

    Übergeordnetes Entwurfsziel war es, dem großen Baukörper durch sinnvolle Fassadengliederungen einen lesbaren Massstab zu verleihen.

    Eine erste Hauptgliederung wird bereits durch das Erschließungskonzept im Gebäude erreicht: Während die Obergeschoss-Wohnungen an den Gebäudeenden und im mittleren Knickbereich direkt von Treppenhäusern aus erschlossen sind, werden die verbleibenden Wohnungen über Laubengänge erreicht. Diese sind aufgrund der optimalen Orientierung der Wohnungen wechselseitig angeordnet, nördlich des Knicks auf der Nordwest-Seite, südlich des Knicks auf der Ostseite.

    Die Erdgeschosswohnungen werden soweit möglich, mit eigenem Zugang über einen Privatgarten von aussen erschlossen. Im Südflügel erhalten die Wohnungen im 3. Obergeschoss eine eigene Zugangstreppe vom Laubengang des drunterliegenden Geschosses aus. Jede Wohnung erhält einen privaten Außenbereich in Form eines Gartens, oder Balkons. Die großzügigeren Wohnungen im 3.Obergeschoss des Südriegels bekommen zusätzlich eine Dachterrasse.

    Die Westfassade mit den Balkonen wird wohnungsweise aus der Flucht herausgedreht, um eine bessere Orientierung der Wohnungen zu erreichen. Im Wechsel zwischen transparenter und geschlossener Brüstung entsteht so eine starke plastische Gliederung in diesem Bereich. Die restlichen Fassadenbereiche sind als ruhig geordnete Lochfassaden und eingeschnittene Loggien konzipiert.

    Im Gebäude entstehen insgesamt 66 Wohnungen mit 2 bis 5 Zimmern, der Schwerpunkt liegt dabei bei den 2 und 3-Zimmer-Wohnungen.

     

    Erschließung und ruhender Verkehr

    Das neu entwickelte Wohngebiet wird über die Breslauer- und die Herta-Künzel-Straße erreicht. Eine Anliegerstraße führt durch das neue Quartier und erschließt den Neubau von Osten her. Die ebenerdigen Zugänge des Gebäudes erhalten überdachte Hauseingänge. PKW Stellplätze für die Anwohner sind in zwei Mittelgaragen untergebracht, deren Zu- und Abfahrten sich jeweils am nördlichen und südlichen Gebäudeteil befinden. Die Be- und Entlüftung der Tiefgarage erfolgt über eine wartungsfreie natürliche Lüftung. Besucherstellplätze sind entlang der Anliegerstraße eingeplant. Fahrräder können neben Stellplätzen in den Tiefgaragen auch oberirdisch in gestalteten Nebengebäuden untergebracht werden, die gleichzeitig einen Sichtschutz für die Privatgärten bilden.

     

    Landschaftsarchitektur

    Im Norden des Grundstückes ist ein Kinderspielplatz mit Sandfläche, Spielgeräten und Sitzmöglichkeiten vorgesehen. Es wird Schaukeln, Klettermöglichkeiten, Rutsche, Wippen und Sandspiel geben. Wege im Spielplatz erhalten einen wasserdurchlässigen Kunststoffbelag. Der Spielplatz und die anschließende Gemeinschaftsfläche werden mit Außenleuchten (Pollerleuchten) ausgestattet. Die Einfriedung der Gartenflächen der Erdgeschosswohnungen erfolgt mit einem Maschendrahtzaun in einer Höhe von 80 cm. Dieser wird mit einer geschnittenen Hecke hinterpflanzt. Es werden Bäume als Hochstamm von Eichen, Erlen, Vogel-Kirschen und Mehlbeeren gepflanzt. Die gemeinschaftlichen Pflanzflächen werden mit Sträuchern und und gemischten Staudenpflanzungen gestaltet.

     

    Tragwerk

    Das Gebäude wird konventionell in Massivbauweise errichtet. Die Dachdecke wird als Flachdach mit Warmdachaufbau ausgebildet. Die Geschossdecken werden als Stahlbetonmassivdecken ausgeführt. Die tragenden und aussteifenden Wände des Gebäudes bestehen aus Kalksandsteinmauerwerkswänden bzw. Stahlbetonwänden. Das Untergeschoss wird gemäß Bodengutachten als „weiße Wanne“ aus wasserundurchlässigem Beton hergestellt. Im Tiefgaragenbereich wird die Bodenplatte mit Gefälle und Verdunstungsrinne geplant. Die Treppenläufe und Podeste in den allgemein zugänglichen Treppenräumen werden aus Stahlbetonfertigteil hergestellt und schalldämmend gelagert. Die Bodenplatten der Balkone und Laubengänge werden mit thermischer Trennung zum Gebäude aus Stahlbetonfertigteilen oder -halbfertigteilen hergestellt. Sie sind selbsttragend und kragen frei aus.

     

    Schallschutz und Lüftungskonzept

    Der Schallschutz der Innenbauteile wurde gemäß DIN 4109-1:2016-07 als „erhöhter“ Schallschutz geplant. In einer schalltechnischen Untersuchung wurden die maßgeblichen Außenlärmpegel / Lärmpegelbereiche nach DIN 4109-1 aus den umliegenden Immissionen ermittelt. Resultierend aus dem Außenlärmpegel müssen an den Fassadenöffnungen schalldämmtechnische Maßnahmen getroffen werden. Alle zum Schlafen geeigneten Räume sind zu schützen und somit schallgedämmt zu belüften. Jede Wohnung erhält deswegen eine zentrale Be- und Entlüftung mit Wärmerückgewinnung.

     

    Energie und Haustechnik

    Der angestrebte Energiestandard, Energieeffizienzhaus 55 wird durch eine wärmebrückenfreie Gebäudehülle mit ortsüblichem Kalksandstein und WDVS hergestellt. Die 3-Scheiben Wärmeschutzverglasung trägt zur Wärmeisolierung der Gebäudehülle positiv bei.    Die Erwärmung des Brauchwassers und des Heizkreislaufes erfolgt durch die Fernwärme der Stadt Nürnberg. Für die Wärmezufuhr der Wohnräume ist eine Fußbodenheizung mit niedriger Vorlauftemperatur geplant. Die Einplanung der Fußbodenheizung ermöglicht bodentiefe Fenster und somit eine großzügige Belichtung der Wohnräume.